AOL muss in den USA Kundendaten rausrĂĽcken
Der US-amerikanische Online-Dienst unterliegt im Rechtsstreit mit einem Unternehmen, das sich durch einen AOL-User diffamiert sieht.
Thomas D. Horne, Richter am Supreme Court im US-amerikanischen Bundesstaat Virginia, verlangt vom Online-Dienst AOL, er solle Daten über einen seiner Kunden herausgeben. Damit bestätigte der Richter die Entscheidung eines kalifornischen Gerichts. An dieses hatte sich das Unternehmen Nam Tai Electronics gewandt, da in einem frei zugänglichen Finanzforum von Yahoo von 51 Personen Falschinformationen über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Firma verbreitet worden seien. Damit hätten die Diskussionsteilnehmer die Nam-Tai-Aktie in Misskredit bringen wollen.
Nam Tai identifizierte als einen der angeblichen Falschinformanten jemanden, der sich "scovey2" nennt und erreichte durch Gerichtsentscheid, dass der Forumsbetreiber Yahoo die Accountdaten übermittelte, darunter eine E-Mail-Adresse von AOL. Außerdem sei eine Nachricht am 8. Januar 2001 unter einer zu AOL gehörenden IP-Nummer gepostet worden. Daraufhin hatte sich Nam Tai mit AOL in Verbindung gesetzt. Der Online-Dienst verweigerte die Herausgabe der Kundendaten mit Hinweis auf die Verfassung der USA, in der das Recht auf anonyme Meinungsäußerung verbürgt sei.
Dieser Meinung schloss sich das kalifornische Gericht im Mai 2001 nicht an, ebenso wenig wie nun auch der oberste Gerichtshof in Virginia. AOL hat nun zehn Tage Zeit, die Entscheidung anzufechten oder die Kundendaten herauszugeben. DatenschĂĽtzer sind hier ebenso besorgt wie im Fall Musikindustrie gegen Verizon: Der Provider wird ebenfalls aufgefordert, Daten eines Kunden herauszugeben -- im Fall Verizon, weil er Raubkopien von MusikstĂĽcken angeboten haben soll. (anw)