Service-Websites: Trau, schau, wem
Wer sich im Netz erkundigt, der sucht meist Informationen aus den Bereichen Finanzen, Gesundheit, Preisvergleiche und Reise. Doch diese sind nicht immer glaubwĂĽrdig.
Wer sich im Netz erkundigt, der sucht meist Informationen aus den Bereichen Finanzen, Gesundheit und Preisvergleiche. Zumindest haben dies Studien in den USA und Großbritannien ergeben. Das nahm die Verbraucherschutzorganisation Consumers International zum Anlass, zwischen April und Juli 2002 460 kommerzielle und nicht-kommerzielle Websites aus neun europäischen und vier anderen Ländern zu diesen Themengebieten unter die Lupe zu nehmen. Darunter waren auch 33 deutsche Internet-Angebote wie www.apotheke.de, www.billigflug.de oder www.einsurance.de.
Dazu haben die Forscher Kriterien entwickelt, an denen Verbraucher die Glaubwürdigkeit von Service-Angeboten im Internet ermessen können sollen. Der Wert der Informationen lässt sich nach dem Motto "trau, schau, wem" an vier groben Kriterien festmachen, meint das Projekt Consumer WebWatch, das die Studie durchgeführt hat:
- Gibt es Kontaktdaten auf der Website?
- Gibt es Angaben darĂĽber, wann und von wem die Informationen erstellt werden und welche Quellen verwendet wurden?
- Stehen hinter dem Service kommerzielle Interessen oder ist das Angebot unabhängig?
- Falls Daten ĂĽber den Besucher angefordert werden: Gibt es Angaben darĂĽber, was mit den Daten geschieht?
Ratschläge zu finanziellen und insbesondere gesundheitlichen Fragen können sehr heikel sein. Darum sollten die Websites darauf hinweisen, dass vor jeglicher Aktion zunächst ein Experte zu Rate gezogen werden sollte.
Mit der Umsetzung dieser Ansprüche ist es aber nicht weit her. So enthielten 30 Prozent der untersuchten Websites keine Adressangaben oder eine Telefonnummer; 26 Prozent machten keine eindeutige Angaben, wem die Site gehört. Aus dem Inhalt von 60 Prozent der Angebote ging nicht eindeutig hervor, ob die Informationen von kommerziellen Interessen beeinflusst waren, sodass die Glaubwürdigkeit von Informationen nicht leicht einzuschätzen war.
Knapp über die Hälfte der Websites machten keine Angaben über ihre Aktualität. Aus 65 Prozent der Gesundheits-, aber nur aus 25 Prozent der Finanzangebote konnte Rückschlüsse gezogen werden, aus welchen berufenen oder nicht berufenen Quellen die Informationen stammten. Etwa nur die Hälfte der Angebote aus beiden Bereichen machte Hinweise zur sachgerechten Umsetzung der Ratschläge, also zum Beispiel zuvor einen Experten aufzusuchen.
Viele Internetseiten erscheinen demnach bei genauerer Betrachtung wenig glaubwĂĽrdig. Deshalb geben VerbraucherschĂĽtzer den Internetnutzern auf der Suche nach Service-Informationen eine Checkliste zur Hand:
- Glauben Sie nicht alles, was Sie lesen.
- Besuchen Sie nicht nur ein Angebot, sondern vergleichen Sie.
- Untersuchen Sie den Hintergrund: Prüfen sie Kontaktmöglichkeiten, wem das Angebot gehört und ob es unabhängig ist.
- PrĂĽfen Sie, von welchen "Experten" Informationen zu Produkten stammen und wie aktuell diese sind.
- Vermeiden Sie Risiken, zum Beispiel bei der Preisgabe ihrer persönlichen Daten.
Da noch einiges im Argen liegt, appellieren die VerbraucherschĂĽtzer an die Betreiber der Informationsangebote, dass sie auf ihren Websites in erster Linie klare und eindeutige Angaben machen und sich strikt an die Verbraucherschutzgesetze halten sollen, um Vertrauen zu gewinnen. Von den Regierungen fordert Consumer International, dass viele Regelungen, die abseits des Cyberspace bereits zum Schutz fĂĽr Verbraucher gelten, auch auf das Internet angewendet werden. Bestehende OECD-Richtlinien seien nicht ausreichend. Sie mĂĽssten um die von Consumer WebWatch erarbeiteten Kriterien erweitert werden. (anw)