Online und Print -- Einer für alle

Erstmals werde dokumentiert, dass es keine Unterschiede zwischen Online-Journalismus und Print-Journalismus gebe, heißt es beim Handelsblatt zur Eröffnung des einheitlichen Newsrooms.

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Von
  • Detlef Borchers

Mit einer kleinen Feier eröffnete das Düsseldorfer Handelsblatt am produktionsfreien Freitagmittag seinen Newsroom. Auf Deutsch ist dies erst einmal nichts weiter als ein Großraumbüro, in dem mehrere aktuelle Nachrichten-Produkte gleichzeitig hergestellt werden können. Beim Handelsblatt sind dies die Tageszeitung Handelsblatt, die über Fluglinien und Bahnhöfe verteilte News am Abend und das Online-Angebot mit Handelsblatt.com sowie SMS- und Radiomeldungen der wichtigsten Nachrichten. Für Einrichtung und Technik des nach angelsächsischen Vorbildern eingerichteten Newsroom investierte der Holtzbrinck-Verlag nach Angaben von Thomas Brackvogel, Geschäftsführer der Handelsblatt GmbH, rund 700.000 Euro und setzt damit "ein positives Zeichen in der Medienlandschaft". Besonders im Zeitungsbereich sieht man in Düsseldorf den berühmten Silberstreifen am Horizont. Zahlen, nach denen 51 % der Werbeleiter deutscher Firmen im Jahre 2003 mehr Anzeigen in Wirtschaftsblättern schalten wollen, seien ein Indiz für den möglichen Aufschwung.

Der Newsroom ist ein Instrument zur Workflow-Optimierung, nicht zur Produktion der Nachricht. Hier gehen alle geschriebenen Texte über den Newsdesk der Chefredakteure zu den drei Deskchefs der Bereiche Politik, Finanzen und Unternehmen, die das Material wiederum an 18 Editoren verteilen. Sie bilden die Qualitätskontrolle und geben die Inhalte für die drei Produkte Zeitschrift, Abendausgabe und Online frei. "In den heutigen Zeiten nimmt unser Leser nur die Marke Handelsblatt wahr und unterscheidet nicht zwischen Tageszeitung und Online. Unser Newsroom ist die logische Konsequenz dieser Orientierung. Wir müssen unseren Lesern mehr bieten, als was abends in den Tagesthemen und tagsüber im Internet an Nachrichten gelaufen ist", erklärte Handelsblatt-Chefredakteur Thomas Knipp den Ansatz.

Im Gegensatz zu den angelsächsischen Vorbildern arbeitet der Düsseldorfer Newsroom nicht 24 Stunden rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr: Um 21 Uhr ist in der Regel Feierabend. "Da hört der Tag auch für unsere Leser auf, auch im Internet. Ein 24-Stunden-Programm im Bereich Online wäre das absolute Minderheitenprogramm", führte Knipp aus. Harald Müsse, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt führte auf Anfrage von heise online aus, dass die Online-Produktion auf ein "tragfähiges Konzept gestellt ist. Es ist uns gelungen, hier die Verluste ganz deutlich zu reduzieren. Wenn Online eines Tages profitabel werden sollte, laden wir Sie zu einer neuen Pressekonferenz oder gar einer großen Party ein". Müsse betonte, dass seines Wissens in ganz Deutschland und möglicherweise ganz Europa die Online-Sparten Verlustgeschäfte sind.

Für die Online-Redaktion stellt sich die Einbettung in den Newsroom als großer Fortschritt dar. Erstmals werde so dokumentiert, dass es keine Unterschiede zwischen Online-Journalismus und Print-Journalismus gebe, sondern nur guten Journalismus, heißt es beim Handelsblatt. "Eine gute kleinere Online-Meldung ist ab sofort auch für Print geeignet. Außerdem können tagsüber online aufgelaufene Meldungen sofort über die Deskchefs in die anderen Kanäle weiter geleitet werden", fasste Knipp die Vorteile zusammen. (Detlef Borchers) / (jk)