Wissenschaftler beobachten Ostfriesenschlaf unter Mobilfunksender
Wissenschaftler der Freien Universität Berlin wollen mögliche körperliche Auswirkungen von Mobilfunkbasisstationen auf Menschen erforschen.
Wissenschaftler der Freien Universität Berlin wollen erstmals mögliche körperliche Auswirkungen von Mobilfunkbasisstationen auf Menschen in der nahen Umgebung dieser Anlagen erforschen. Einen entsprechenden Bericht des Generalanzeigers in Rhauderfehn (Kreis Leer) bestätigte am Mittwoch die Leiterin des Projekts, Heidi Danker-Hopfe. Mit einer vierwöchigen Vorausstudie habe ihr Team in der vergangenen Woche in Flachsmeer (Kreis Leer) begonnen. Dabei wird der Nachtschlaf von rund 100 Einwohnern des Dorfes jeweils zwei Wochen lang mit Aufzeichnungsgeräten beobachtet. Über ihr Befinden vor und nach dem täglichen Schlaf geben die Beteiligten außerdem in Fragebogen Auskunft. Die Mitwirkenden haben sich dafür nach den Angaben der Forscher freiwillig gemeldet. Sie seien zwischen 15 und 82 Jahre alt. Vom Schüler bis zur Rentnerin repräsentierten sie unterschiedliche Lebensgewohnheiten.
Ziel des Flachsmeer-Projekts ist es nach den Worten von Danker-Hopfe, die Beobachtungsinstrumente für eine später geplante bundesweite Doppelblindstudie zu testen. Die Reaktionen auf die Sendeanlagen werden über ein Aufzeichnungsgerät in der Größe eines Elektrorasierers erfasst. Es ist über Kabel mit Sensoren verbunden. Die Testpersonen befestigen diese vor dem Einschlafen am Kopf.
Anlass der geplanten Studie sind die seit Jahren schwelenden und immer wieder aufflackernden Konflikte um gesundheitliche Wirkungen geplanter oder bereits errichteter Telefonsendemasten. Zahlreiche Bürgerinitiativen hatten sich immer wieder gegen derartige Sendeanlagen in ihrer Nähe gewehrt. Klagen blieben zumeist erfolglos. Die Gegner begründen ihre Abwehr mit dem Hinweis auf angebliche Gesundheitsgefahren durch elektromagnetische Strahlen. In Flachsmeer hatte sich ebenfalls eine Bürgerinitiative gegründet. Sie wandte sich mit Fragen zur gesundheitlichen Wirkung derartiger Anlagen unter anderem an die Bremer Universität.
Nach den Angaben von Danker-Hopfe griff das Niedersächsische Sozialministerium die Fragen auf und finanziert die Forschung seitdem. Die großen Telefongesellschaften Vodafone und Telekom hätten ihre Bereitschaft erklärt, an der Studie technisch mitzuwirken. Sie wollten bei Bedarf ihre Anlagen gezielt abschalten. Für die Aussagekraft der Forschung sei es entscheidend, dass die beteiligten Menschen -- ohne es zu wissen -- zeitweise bei aktiven Sendeanlagen und zeitweilig bei ruhenden Sendern schliefen. Nur damit könne ausgeschlossen werden, dass sich behauptete Wirkungen lediglich auf Vermutungen und Vorurteile stützten. (dpa) / (anm)