Kommerzielle Anbieter gegen US-Regierungs-Datenbanken
Einige von staatlichen Stellen in den USA betriebene Datenbanken und andere Angebote ĂĽberschneiden sich mit kommerziellen Anbietern. Denen ist das natĂĽrlich ein Dorn im Auge.
Das US-amerikanische Department of Energy (DOE) hat seine Online-Datenbank zu physikwissenschaftlichen Arbeiten Pubscience vom Netz genommen. Kommerzielle Anbieter hatten sich beschwert, das Angebot der Datenbank ĂĽberschneide sich mit ihrem eigenen. Sie beriefen sich auf Bundesgesetze, die es staatlichen Stellen untersagen, mit der Privatwirtschaft zu konkurrieren.
Pubscience hatte ursprĂĽnglich einen Bestand von rund zwei Millionen Dokumenten. Das Angebot war vor drei Jahren ans Netz gegangen und versammelte die wissenschaftlichen Arbeiten der vergangenen 50 Jahre. Bereits im September soll aber das DOE festgestellt haben, dass sich etwa 90 Prozent ihres Angebots mit privatwirtschaftlichen Datenbanken ĂĽberschneidet.
BĂĽrgerrechtler wie die vom Consumer Project on Technology greifen das DOE scharf an. Sie kritisieren, dass Unternehmen durch massives Lobbying groĂźen Einfluss auf politische MaĂźnahmen haben -- wie in diesem Fall die Software & Information Industry Association (SIIA) -- und verlangen nach Begrenzungen von Wahlkampfspenden. James Love von dem Consumer Projekt wird in US-Medien mit den Worten zitiert: "Dies ist ein Fall von Korruption im Kongress." Wissenschaftler bedauern den Vorgang. Pubscience sei umfassender gewesen als alle anderen Angebote am Markt, wie zum Beispiel Infotrieve oder Scirus.
Die SIIA bestreitet nicht, Einfluss auf die Entscheidung des DOE genommen zu haben, allerdings sei dieser nicht so massiv wie kritisiert gewesen. Die Behörde habe die Öffentlichkeit um Kommentare zu Pubscience gebeten; die SIIA sei nur eine von vielen Interessentengruppen gewesen, die ihre Eingaben gemacht haben.
Das DOE ist nicht die einzige Behörde, die wegen ihres Internet-Angebots von kommerziellen Konkurrenten kritisiert wird. Auch auf das National Institute of Health wird wegen ihrer medizinischen Datenbank Pubmed seit einiger Zeit Druck ausgeübt. Derzeit probieren es private Wetterdienste auch beim National Weather Service. (anw)