Falschbuchungen bei TV-Softwarespezialist Liberate
Der Hersteller von Software fĂĽr interaktives TV beurlaubte seinen Chief Operating Officer Donald Fitzpatrick wegen Falschbuchungen in den Bilanzen.
Noch vergangenes Jahr sonnte sich Liberate Technologies, Anbieter von Software für interaktives TV, in Erfolgsmeldungen; erst im Juli erweiterte die Firma zudem im Kampf um die besten Plätze im US-Markt für TV-Software ihr Produktportfolio durch Zukäufe. Nun ist der Himmel über Liberate nicht nur bewölkt, sondern von Blitz und Donner gekennzeichnet: Die Firma beurlaubte ihren Chief Operating Officer Donald Fitzpatrick wegen Falschbuchungen in den Bilanzen. Außerdem gab Liberate erste Ergebnisse der Untersuchungen zu den falschen Geschäftszahlen bekannt: Danach sind Geschäfte in Höhe von rund 10 Millionen US-Dollar im letzten Quartal 2002 (am 31. Mai 2002) und im ersten Quartal 2003 unrechtmäßig verbucht worden.
Bereits am 15. Oktober hatte Liberate bekannt gegeben, dass man wohl einen Zusatz zu den bisherigen Bilanzen herausgeben und eine neuerliche Prüfung unternehmen müsse; Ende Oktober verschob man dann sogar die Aktionärsversammlung. Inzwischen stellte sich heraus, dass es sich nicht nur bei der einen Transaktion über 1,84 Millionen US-Dollar, die die Untersuchung auslöste, um eine Falschbuchung handelte. Weitere Buchungen über die nun bekannt gegebenen 10 Millionen US-Dollar hinaus würden noch untersucht. Wegen der Vorfälle droht dem börsennotierten Unternehmen der Rauswurf an der Nasdaq.
Liberate wurde 1995 als Abteilung von Oracle gegründet; der Datenbank-Konzern ist bis heute Mehrheitseigner der Firma. Zu den direkten Konkurrenten des TV-Software-Spezialisten gehören OpenTV und Microsoft -- besonders der TV-Abteilung des Konzerns aus Redmond konnte Liberate in der Vergangenheit einige Geschäfte vor der Nase wegschnappen. (jk)