EU-Partner lehnen Chiracs Telecom-Programm ab
Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Alfred Tacke, hat nicht den Eindruck, die europäische Telecom-Branche sei notleidend.
Der Vorstoß des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac für ein Sofortprogramm zu Gunsten des europäischen Telekommunikationssektors ist von den EU-Partnern zurückgewiesen worden. "Staatliche Hilfen sind nicht der Weg nach vorne", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der EU-Telekommunikationsminister am Donnerstag in Brüssel. Nach Ansicht von Chirac befindet sich die Branche in der Krise.
Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Alfred Tacke, widersprach auch dem Eindruck, die europäische Branche sei notleidend. "Das Bild des Telekommunikationsmarktes ist sehr unterschiedlich und nicht einheitlich. Die Marktverfassung ist positiv zu bewerten." Für einige Unternehmen gebe es aber finanzielle Grenzen.
Über die am Mittwochmorgen angekündigte Finanzspritze des französischen Staates von 9 Milliarden Euro für den hochverschuldeten Telekommunikationskonzern France Telecom wurde bei dem Ministertreffen nicht gesprochen, berichtete Tacke. Der italienische Telekommunikationsminister Maurizio Gasparri sagte am Rande: "Ich hoffe, dass die EU-Kommission und insbesondere die Wettbewerbsbehörde sehr genau die Vereinbarkeit dieses Vorhabens mit den europäischen Regeln überprüfen wird." EU-Kommissar Erkki Liikanen sagte: "Wenn das Aspekte staatlicher Beihilfen enthält, dann muss das von der Generaldirektion Wettbewerb (der Kommission) geprüft werden."
Tacke sagte mit Blick auf die Mobilfunktechnik der dritten Generation (UMTS), die Situation für die verbliebenen vier Anbieter sei in Deutschland sehr gut. "Dass auch der Konflikt zwischen France Telecom und MobilCom gelöst wurde, hat sicherlich zu einer Stabilisierung des Marktes beigetragen." Die Rahmenbedingungen sollten nicht verändert werden. Eine neue Herausforderung sei die Ausweitung der Breitbandnutzung für den schnellen Datenverkehr.
Chirac hatte Ende Oktober auf dem Brüsseler EU-Gipfel insbesondere die hohen Kosten der UMTS-Lizenzen für die Krise der großen europäischen Telekommunikationskonzerne verantwortlich gemacht. Es seien baldige Vorschläge der EU notwendig, um koordiniert, schnell und effizient zu reagieren, hatte es geheißen. (dpa) / (anw)