Rekordumsatz und stabile Gewinne beim Technologiekonzern Zeiss
Nach einem Erfolgsjahr blickt der Technologiekonzern Carl Zeiss gedämpft optimistisch in die Zukunft; Streit gibt es um das von Ernst Abbe festgelegte Firmenstatut.
Nach einem Erfolgsjahr blickt der Technologiekonzern Carl Zeiss (Oberkochen, Ostalbkreis) gedämpft optimistisch in die Zukunft. Der Elektronik- und Optikspezialist trotzte im Geschäftsjahr 2001/2002 dem schwächelnden Markt und baute seine Erlöse aus. Vorstandssprecher Dieter Kurz vermeldete am heutigen Donnerstag in Stuttgart einen Rekordumsatz von 2,257 Milliarden Euro nach 2,056 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Jahresüberschuss werde zwar vermutlich leicht unter dem Vorjahr (110 Millionen Euro), aber auf jeden Fall über 100 Millionen Euro liegen. Das Ergebnis vor Steuern kletterte um sechs Prozent auf 147 Millionen Euro.
Das kommende Geschäftsjahr werde zwar deutlich schwieriger, die Auftragsbestände seien seit Sommer rückläufig. Dennoch erwartet Kurz keinen Einbruch, sondern eine "Geradeausfahrt" bei Umsätzen und Ertrag. "Unter den heutigen Marktbedingungen wäre das als Erfolg zu bezeichnen."
Eines liegt Kurz aber schwer im Magen: Die Zeiss-Firmenverfassung ist ein über 100 Jahre altes Statut von Ernst Abbe. In seiner derzeitigen Form verbietet es dem Stiftungsunternehmen, in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt zu werden. Das wollen die Stiftungsvertreter ändern -- gegen den Widerstand einiger Mitarbeiter, die um ihre sozialen Privilegien als Stiftungsangehörige fürchten. "Die durch das bisherige Statut garantierten Rechte wie Pensionsansprüche gehen verloren", schrieb der eigens gegründete Verein zum Erhalt Abbeschen Gedankenguts e.V. auf einem Flugblatt. Vor dem Oberlandesgericht Stuttgart ist eine Klage von 80 Mitarbeitern anhängig, die sich gegen die Statutsänderung wehren.
Seit Monaten widerspricht Kurz diesen Befürchtungen. Am Donnerstag in Stuttgart sagte er: "Das modernisierte Statut wird für mehr Mitbestimmung im Unternehmen sorgen und allen inländischen Mitarbeitern die gleichen sozialen Rechte geben." Damit würden gerade auch die Mitarbeiter von der Änderung profitieren: Von den 14.702 Zeiss-Mitarbeitern seien 10.545 in Deutschland beschäftigt, aber nur 4.924 seien Stiftungsangehörige. Die Belegschaften der Tochterunternehmen Carl Zeiss Meditech AG (Jena, Medizintechnik) und SMT AG (Oberkochen, Halbleiter) seien hingegen bisher ausgenommen. Den Zeitplan für eine Neuorganisation ließ Kurz offen. Ursprünglich war das kommende Jahr angepeilt.
"Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft ist nicht so sehr eine Frage der Kapitalaufnahme", betonte Kurz. Eine künftige Zeiss AG werde eine 100-prozentige Tochter der Stiftung bleiben. Das Problem sei viel mehr, dass Zeiss aus historischen Gründen an das zweite Stiftungsunternehmen Schott Glas (Mainz) angekettet sei. "Wir haben eine gemeinsame Bilanz und können nicht unabhängig voneinander agieren." Durch einen im Statut festgeschriebenen Haftungsverbund müssten außerdem die Vorstände des einen Unternehmens für Verluste der anderen geradestehen. "Dabei haben die Unternehmen längst nichts mehr miteinander zu tun. Es ist ein Relikt aus der Vergangenheit." (Harald Schmidt, dpa) / (jk)