"Fernsehen macht glücklich" -- Ausstellung über 50 Jahre TV-Geschichte

Mit einer Flut bewegter Bilder zeichnet eine Ausstellung in Berlin ab heute Jahre deutsche Fernsehgeschichte nach.

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Von
  • Esteban Engel
  • dpa

Von Bonanza bis Big Brother, von der "Tagesschau" bis zu den "Manns" -- mit einer Flut bewegter Bilder zeichnet eine Ausstellung in Berlin jetzt 50 Jahre deutsche Fernsehgeschichte nach. Fernsehen macht glücklich nennt sich die Schau im Filmmuseum am Potsdamer Platz, die von heute an bis zum 30. März 2003 die Sternstunden auf den Mattscheiben der Bundesrepublik und der DDR aus der Erinnerung holt und für ein großes Publikum in fünf Kapiteln mediengerecht präsentiert.

Auf Dutzenden von Monitoren können die Betrachter in Ausschnitten legendäre Sportsendungen, Serien und Talkshows noch einmal erleben: Das "Wunder von Bern" von 1954 mit Herbert Zimmermanns "Tooor, Tooor, Tooor", Hans-Joachim Kulenkampffs Einer wird gewinnen, Werner Höfers Internationalen Frühschoppen, die Landung auf dem Mond oder die Erotik-Gehversuche mit Tutti Frutti. Für die Kinder flimmert Pan Tau und Die Sendung mit der Maus auf den Fernsehern, die in Zelten auf sandigem Boden aufgestellt sind.

Für viele Besucher dürfte tatsächlich ein kurzer Glücksmoment aufkommen, wenn Hoss Cartwright auf der Bonanza-Ranch seinen Lasso wirft, sich Emma Peel mit Schirm, Charme und Melone von Patrick Macnee bezirzen lässt und Angelika Domröse und Manfred Krug im DDR-Mehrteiler Wege übers Land den sozialistischen Alltag der 50er Jahre ziemlich realitätsnah darstellen. "Fernsehglück hat eben sehr viel mit Kindheitserlebnissen zu tun", sagt Ausstellungsmacher Peter Paul Kubitz. Zu den TV-Ereignissen gehören Highlights wie die legendäre Serie Heimat oder das Interview von Günter Gaus mit Rudi Dutschke, aber auch das Raumschiff Orion und Kir Royal.

Die Schau wolle weder das Fernsehen noch das Publikum als "professionellen Betrachter" denunzieren, sondern spielerisch zeigen, was täglich "erarbeitet, konsumiert und auch vergessen wird". Dazu zählten Teleshopping und Frühstücksfernsehen ebenso wie die Gerichts- und die Talkshows am Nachmittag, die gleichberechtigt neben Werbetrailern und Quizsendungen gezeigt werden.

Eine eigene Abteilung widmet sich den von manchen TV-Zuschauern heiß geliebten Pausenbildern, die in der Frühzeit des Fernsehens als "Lückenbüßer" bei der Programmumschaltung herhalten mussten und sich später mit Walross Antje, Weltraumbildern und Endlosfahrten in der Bahn einen festen Platz im Programm erhielten.

Doch ganz ohne Ironie kommt auch die Ausstellung nicht aus. Etwa wenn Harald Schmidt mit dem Satz zitiert wird: "Ein Volk, in dem sich zehn Millionen den Musikantenstadl ansehen, ist unregierbar" oder wenn eine Familie C. aus Koblenz in einem Brief über Dr. Brinkmanns Schwarzwaldklinik urteilt: "Es ist erfreulich, dass es wieder eine deutsche Serie gibt, die keine Illusionen, sondern die Wirklichkeit vermittelt."

Auch die Technik birgt für die Ausstellungsmacher eine Verheißung. Schon heute könnten sich die Zuschauer das Programm selber zusammenstellen, auf Festplatten speichern und jederzeit darüber verfügen. In einer eigenen Abteilung werden die interaktiven Möglichkeiten eines Mediums vorgeführt, das sich bisher gegen eine Fusion mit der Computer-Welt eher widerspenstig gezeigt hat. (Esteban Engel, dpa) / (anw)