Erstes inaktives stellares Schwarzes Loch außerhalb der Milchstraße entdeckt

Das angeblich erste inaktive stellare Schwarze Loch, das außerhalb der Milchstraße entdeckt wurde, ist offenbar ohne eine Explosion entstanden.

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Künstlerische Darstellung von VFTS 243

(Bild: ESO/L. Calçada)

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Eine Gruppe von Astronomen und Astronominnen, die bisher hauptsächlich dafür bekannt war, angebliche Entdeckungen von Schwarzen Löchern als falsch zu entlarven, hat jetzt selbst eins gefunden. Entdeckt haben sie nach eigenen Angaben das erste inaktive stellare Schwarze Loch außerhalb der Milchstraße. Das scheint außerdem aus einem Stern hervorgegangen zu sein, der ohne Anzeichen einer Explosion einfach kollabiert ist.

Das Schwarze Loch mit der Bezeichnung VFTS 243 komme mindestens auf die neunfache Masse der Sonne und umkreise einen heißen, blauen Stern mit der 25-fachen Masse unserer Sonne. Beide befinden sich in der Großen Magellanschen Wolke, einer Nachbargalaxie der Milchstraße.

Entdeckt wurde das Schwarze Loch bei einer systematischen Analyse von 1000 massereichen Sternen im sogenannten Tarantelnebel, erläutert die Europäische Südsternwarte. Gesucht wurden die Sterne darunter, die von einem Schwarzen Loch begleitet werden könnten. Als dann VFTS 243 ein potenzieller Fund gemeldet wurde, sei er trotzdem sehr skeptisch gewesen, meint Co-Autor Kareem El-Badry vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in den USA. Der hat sich der Mitteilung zufolge den Spitznamen "Zerstörer schwarzer Löcher" verdient, weil er schon so oft vermeintliche Entdeckungen entkräftet habe. Diesmal sei es aber anders gelaufen: "Ich konnte keine plausible Erklärung für die Daten finden, die kein schwarzes Loch beinhaltete", erinnert er sich.

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Inaktive oder ruhende Schwarze Löcher wie VFTS 243 sind vergleichsweise schwer zu entdecken, weil in sie kein Material stürzt und dabei verräterische Röntgenstrahlung aussendet. Hinzu kommt, dass stellare Schwarze Löcher mit wenigen Sonnenmassen auch noch sehr klein sind. Auch wenn man davon ausgeht, dass es im beobachtbaren Universum dutzende Trillionen davon gibt, wissen wir aus diesem Grund nicht viel über solche Objekte. Die Entdeckung von VFTS 243 ermögliche deshalb einzigartige und wertvolle Einblicke, auch in die Entstehung dieser Himmelskörper. Dabei stellt er die Astronomen und Astronominnen gleich vor ein Rätsel, denn der Stern, aus dem das Schwarze Loch entstanden sein dürfte, scheint ohne Anzeichen einer Explosion verschwunden zu sein. Der Forschungsartikel zu der Entdeckung wurde im US-Fachmagazin Nature Astronomy veröffentlicht.

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(mho)