UMTS: "Es kommt nicht auf die Technik an"
Nicht mehr die UMTS-Technik solle im Vordergrund stehen, sondern die Dienste, fordern UMTS-Verfechter.
Die Telekommunikationsanbieter schlucken nicht nur schwer an den Milliardenkrediten, die sie für UMTS-Mobilnetze der dritten Generation ausgeben mussten: Angesichts der Konsolidierungswelle suchen sie händeringend nach Erfolgsstrategien für UMTS, um nicht selbst in den Abwärtssog zu geraten. "It's the service, stupid", heißt der neue Slogan in der Branche. Oder sachlich: "Es kommt nicht auf die Technik an, sondern auf die Dienste", sagte Claudio Carelli, Direktor des Europäischen Telekommunikationsinstituts für Forschung und Strategische Studien, Eurescom, auf der Wissenschaftspressekonferenz heute in Bonn.
Als vor gut dreißig Jahren das Bildtelefon entwickelt wurde, ging es vor allem um die Technik, um die Faszination des Machbaren. Heute, nachdem sich zum Beispiel das Bildtelefon trotz zahlreicher Entwicklungen nicht durchzusetzen vermochte, hat man anscheinend dazugelernt. Für Carelli steht deshalb die Frage im Vordergrund: Wozu brauchen wir es? Klaus-Dieter Kohrt, Produktstrategiemanager bei Siemens IC Mobile Networks, schlägt in dieselbe Kerbe: "Der Nutzer soll keine Technik kaufen, sondern Dienste". Und weiter: Ob er seine Bilder per GPRS oder per UMTS verschickt, wird er kaum merken, denn UMTS ist "wie der Prozessor eines PCs für den Anwender unsichtbar".
Sachkundige Handy-Nutzer werden freilich einwenden, dass man doch zumindest die höhere Geschwindigkeit von UMTS gegenüber dem aktuellen GPRS merken müsste -- sonst hätte doch der ganze Aufwand um die neuen Netze wohl kaum gelohnt. Die Fokussierung auf die Dienste setze allerdings voraus, dass auch die Telekommunikationsunternehmen ihre Tarifpolitik ändern und Nutzern durchgängige Lösungen anbieten -- eine Forderung, die schon mehrfach zu hören war, etwa vom Deutschen Multimedia Verband im Sommer diesen Jahres. Konkrete Ideen oder gar die händeringend gesuchte "Killerapplikation", die UMTS vom Start weg zur erhofften Verbreitung verhelfen würde, scheinen indes nicht in Sicht. Damit die Dienste aber gute Startbedingungen vorfinden, müssen "standardisierte Endgeräte und eine bessere Interoperabilität her", setzt Carelli hinzu.
Das Vorbild sitzt in Asien: Dort gründet der Erfolg des japanischen i-mode, das auf Mobilfunktechnik der "alten" zweiten Generation beruht, vor allem auf der erfolgreichen Vermarktung mobiler Dienste. Der wohl erfolgreichste Mobilfunk-Dienst hierzulande ist aber SMS. E-Plus, der einzige deutsche Mobilnetzbetreiber, der i-mode anbietet, hat zwar die Vermarktungs- und Abrechnungsstrategie aus Fernost übernommen und beteiligt Inhalte-Anbieter an den Einnahmen, doch der große Erfolg blieb bisher aus -- nach Meinung von Fachleuten nicht zuletzt wegen eines nur dürftigen Angebots an attraktiven Endgeräten.
Trotz der Betonung auf Diensten gab es dann also doch Gründe, über die Technik zu reden. Zum Beispiel bezogen die Teilnehmer auch zur Wechselwirkung zwischen UMTS und der Funknetz-Technik WLAN Stellung, denn obwohl WLAN anders als UMTS nicht für mobilen Verkehr ausgelegt ist, befürchten manche, dass es UMTS das Wasser abgraben wird -- allein schon, weil die WLAN-Technik heute schon verfügbar ist. Carelli meint aber, bei WLAN und UMTS gebe es keine Konkurrenz der Zugangstechniken, sondern allenfalls ein "Problem der Endgeräte". Damit spielt er wohl auf Pläne an, die beiden Funkverfahren in Kombi-Geräten zusammenzuführen. Siemens-Manager Kohrt sieht das anscheinend anders. Eine eierlegende Wollmilchsau werde man nicht züchten, denn Universalität ist "ein preistreibender Faktor auf dem Massenmarkt und deshalb wird es wohl auch weiterhin parallel auf WLAN und UMTS spezialisierte Endgeräte geben". Der Kunde werde für seine Bedürfnisse die jeweils angemessene Technik einsetzen. (Christiane Schulzki-Haddouti) / (dz)