Amazons CO₂-Emissionen stiegen 2021 um 18 Prozent

Amazon hat große Pläne aufgerufen, um bis 2040 CO₂-neutral zu sein. Doch der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht lässt das nicht erkennen.

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(Bild: Gorodenkoff/Shutterstock.com)

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Der Online-Händler Amazon hat sein selbst gestecktes Ziel, den eigenen CO₂-Fußabdruck zu senken, 2021 verfehlt. Wie aus dem am Montag veröffentlichen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht "Amazon’s 2021 Sustainability Report" hervorgeht, sind die Kohlendioxidemissionen des Konzerns 2021 um 18 Prozent angestiegen. Grund ist die pandemiebedingt gestiegene Nachfrage von Produkten im E-Commerce. Um sie bedienen zu können, erweiterte Amazon unter anderem sein Logistiknetz, was zu mehr CO₂-Ausstößen führte.

Seit 2019 weist Amazon jedes Jahr in seinem Nachhaltigkeitsbericht die Bemühungen nach, die unternommen wurden, um bis 2040 CO₂-neutral zu sein. Seit 2019 konnte Amazon seinen CO₂-Fußabdruck allerdings nie senken, sondern er stieg seitdem jedes Jahr an. Wurde 2019 noch das Äquivalent von 51,17 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen, waren es 2020 bereits 60,64 Millionen Tonnen. 2021 erfolgte dann die Steigerung um 18 Prozent auf 71,54 Millionen Tonnen. Im Vergleich zu 2019 beträgt der Anstieg sogar 40 Prozent.

Zusätzlich weist Amazon die Emissionen pro US-Dollar Umsatz aus. Sie fielen 2021 um 1,9 Prozent geringer aus als noch 2020. 2020 war der Rückgang mit 16 Prozent aber deutlich höher ausgefallen. Deutlich schlechter ist die CO₂-Bilanz im Bereich verbrannter fossiler Brennstoffe. Die Kohlendioxidemissionen stiegen hier 2021 um 27 Prozent auf 11,89 Millionen Tonnen.

Einsparungen konnte Amazon nach eigenen Angaben (PDF) dagegen durch den Umstieg auf natürliche Kühlmittel in Kühlmittelsystemen seiner Lebensmittelgeschäfte einsparen. Hier konnte der CO₂-Ausstoß um 12 Prozent gesenkt werden – allerdings nur auf niedrigem Niveau: statt 250.000 Tonnen CO₂ sind es 2021 nun 220.000 Tonnen.

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Ähnliches gilt auch für Emissionen, die durch den Einkauf von elektrischer Energie, also etwa den Umstieg auf Ökostrom erzielt wurden. Hier sanken die Kohlendioxidausstöße von 5,27 Millionen Tonnen auf 4,07 Millionen Tonnen um insgesamt 23 Prozent.

Weniger gut sieht es dagegen mit den Einsparungen im Bereich der "Emissionen indirekter Quellen" aus. Hierunter fallen beispielsweise Emissionen, die durch Produkte der Amazon-Marke verursacht wurden. Dazu zählen etwa Betriebskosten, Geschäftsreisen sowie die Herstellung, Nutzung und Entsorgung von Produkten. Hier stieg das CO₂-Äquivalent von 16,7 Millionen Tonnen auf 19,09 Millionen Tonnen an.

Die größte Steigerung geht allerdings auf das Konto von Kapitalgütern wie etwa Gebäudebau, Server und andere Hardware, weitere Ausrüstung sowie Fahrzeuge. Amazon gibt hier eine Steigerung von 46 Prozent auf nunmehr 15,37 Millionen Tonnen an. Auch im Bereich der Emissionen, die etwa durch Drittanbieter-Transportdienstleister und Verpackung verursacht werden, stiegen an – um 14 Prozent auf 18 Millionen Tonnen. Ebenfalls eingerechnet hat Amazon die Emissionen, die Kunden auf dem Weg zu physischen Amazon Stores verursacht haben. Hier kam es zu einem Anstieg von 5 Prozent auf 2,91 Millionen Tonnen.

Ursächlich für den erhöhten CO₂-Ausstoß in bestimmten Bereichen ist der boomende E-Commerce. Die Coronapandemie hatte dafür gesorgt, dass Menschen weniger physische Geschäfte aufsuchten und stattdessen Waren online einkauften und sich liefern ließen. Um die höhere Nachfrage befriedigen zu können, baute Amazon sein Logistiknetz aus und schaffte neuen Lieferwagen, Flugzeuge und Transport-Lkw an. Zudem baute Amazon neue Lagerhäuser. Das Fullfillment-Netzwerk verdoppelte Amazon 2021. Hinzu kamen auch neue Rechenzentren für Amazon Web Services, um die pandemiebedingte Verlagerung von Unternehmen in die Cloud, abzufangen.

Wie Reveal bereits im Februar 2022 aufgezeigt hat, lässt Amazon einige Faktoren in seinen Berechnungen aus. Die Kohlendioxidemissionen dürften demnach deutlich höher liegen. So berücksichtigt Amazon beispielsweise nur die Emissionen, die bei der Herstellung der eigenen Produkte der Marke Amazon entstehen, die lediglich einen Verkaufsanteil von etwa ein Prozent aller verkauften Waren über Amazon ausmachen. Andere große Warenhausketten, darunter Walmart und Target, beziehen auch die Produkte in ihren Berechnungen ein, die von Herstellern abgekauft und dann direkt an Kunden weiterverkauft werden.

Amazon sieht sich nach Angaben von Reveal jedoch mit seinen Reports auf der sicheren Seite: Das Unternehmen folge bei den Emissionen, die durch die Lieferkette erzeugt werden, den Leitlinien des Greenhouse Gas Protocol Corporate Accounting and Reporting Standard.

(olb)