Gaskrise: Schweizer sollen freiwillig Energie einsparen

So wie die EU will auch die Schweiz 15 Prozent des Gasverbrauchs einsparen. Allerdings ist der Anteil des Erdgases am Gesamtenergieverbrauch dort nicht so hoch.

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So lässt sich auch Energie einsparen, allerdings nur, wenn dann auch die Heizung heruntergeregelt wird.

(Bild: energieschweiz.ch)

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Die Schweiz setzt sich so wie die Europäische Union das Ziel, 15 Prozent des Erdgasverbrauchs einzusparen. Das soll ebenso wie in der EU freiwillig passieren, dafür macht die Schweizer Regierung, der Bundesrat einige Vorschläge.

Dabei weist der Bundesrat darauf hin, dass Erdgas in der Schweiz einen Anteil von 15 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs habe, während der im EU-Durchschnitt 22 Prozent betrage. Auch werde in der Schweiz Erdgas weniger als im Ausland zur Stromproduktion eingesetzt. Allerdings nutzten 44 Prozent der Haushalte Erdgas zum Heizen, 22 Prozent im Dienstleistungssektor und 32 Prozent der Schweizer Industrie nutzt Gas für Prozesswärme.

Während die Industrie also ganzjährig Gas nutzt, sei der Verbrauch für die Heizungen stark auf den Winter konzentriert, schreibt der Bundesrat. Der durchschnittliche Gasverbrauch der Schweiz lag in den vergangenen fünf Jahre im Winterhalbjahr bei rund 24 Terawattstunden (TWh). 3,6 TWh sollen nun also in der Schweiz eingespart werden, um eine Mangellage zu verhindern, zumal das Land beim Gas komplett von Importen abhängt.

Die Verwaltung soll beim Einsparen vorangehen. In deren Gebäuden soll die Heiztemperatur abgesenkt werden, Computer und andere Geräte, die nicht in zwingend in Betrieb sein müssen, abgeschaltet werden. Möglicherweise werden Standorte der Bundesverwaltung zusammengelegt oder es wird auf Home Office gesetzt, damit weniger Räume geheizt werden müssten. Auch die deutsche Regierung schickt öffentliche Institutionen beim Sparen voran, das Thema Home Office schneidet sie dabei allerdings nicht an.

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Zweistoffanlagen zur Produktion von Prozess- oder Raumwärme von Schweizer Industrie und Gewerbe, die sowohl mit Gas als auch mit Heizöl betrieben werden können, könnten freiwillig auf Heizöl geschaltet werden. Allein hier könnten bis zu 20 Prozent des Gesamtverbrauchs eingespart werden, schreibt der Bundesrat. Allerdings könnten diese Unternehmen nicht mehr ihre Verpflichtungen einhalten, den CO₂-Ausstoß zu vermindern und Grenzwerte für Luftschadstoffe überschreiten. Daher könnten hier die rechtlichen Grundlagen angepasst werden.

Im März dieses Jahres, also kurz nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine, hatte der Schweizer Bundesrat dafür gesorgt, dass die Gasbranche gemeinsam Gas und Speicherkapazitäten im Ausland beschaffen kann, ohne kartellrechtliche Nachteile befürchten zu müssen. Mitte Mai verpflichtete er die Gasbranche, Speicherkapazitäten in den Nachbarländern und Optionen für zusätzliche Gaslieferungen zu sichern.

Begleitet werden diese Vorschläge und Vorkehrungen von einer Sparkampagne. Beispielsweise wird die Schweizer Bevölkerung darüber informiert, dass 5 bis 6 Prozent der Energie eingespart werden könne, wenn die Heiztemperatur um 1 °C abgesenkt wird. Städte, Gemeinde und Kantone arbeiten daran mit, die Menschen insgesamt über Sparpotenziale von Geräten, Anlagen, Beleuchtung, Wärmepumpen- und Widerstandsheizungen zu informieren.

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Falls der ohnehin schon von Russland gedrosselte Gasstrom komplett ausfällt, könnten Schweizer Unternehmen Liquiditätsprobleme bekommen. Für diese Fälle hat die Schweizer Regierung ähnlich wie die deutsche "Rettungsschirm" genannte Finanzhilfen erarbeitet. Für die Schweizer Stromversorgung bedeutet sind die dortigen Speicherseen. Deren Füllstand liegt laut Bundesrat knapp unter dem langjährigen Mittel. Wegen der unterdurchschnittlichen Schneereserve und der vorherrschenden Trockenheit dürften die Zuflüsse dieses Jahr geringer ausfallen.

In der EU ist seit diesem Monat der Notfallplan Gas in Kraft. Er sieht vor, dass die EU-Mitgliedsländer zunächst freiwillig 15 Prozent ihres bisherigen Erdgas-Verbrauchs einsparen. Falls es dennoch zu einer "schwerwiegenden Gasknappheit" kommt, soll ein Unionsalarm ausgelöst werden. Die bis dahin freiwilligen Gas-Einsparungen würden dann verpflichtend.

(anw)