High-Tech-Trends 2003: Neuer Schwung, alte Probleme
In einer Umfrage gaben führende Experten aus dem Silicon Valley ihre Einschätzungen über die High-Tech-Trends des kommenden Jahres ab.
Zum sechsten Mal gibt The Red Herring einen Überblick über die erwarteten High-Tech-Trends. Befragt wurde dafür eine Vielzahl Experten, die im Silicon Valley Rang und Namen haben. Die meisten Prognosen für das Jahr 2003 zeigen, dass der erhoffte Aufschwung für die Industrie zweischneidig ist und wohl eher bescheiden ausfällt. So wird etwa der Wireless Technologie großes Potential bescheinigt. Die Analysten rechnen mit einer starken Ausweitung der WLANs. Doch die Investitionen in diesen Bereich gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Lasten einer zügigen Einführung der dritten Mobilfunkgeneration, so die Einschätzung der Experten, da diese über deutlich schlechtere Leistungsmerkmale verfüge.
Im Bereich Hard- und Software gehen die Experten davon aus, dass aufgrund der angespannten Kostensituation Neu- und Ersatzinvestitionen eher die Ausnahme sind. Im Vordergrund stehe die effizientere Nutzung von bestehenden Systemen. Dies dĂĽrfte einige Unternehmen, die schon lange und dringend auf neue Impulse warten, in Existenznot bringen.
Im Halbleitermarkt zeichnet sich ab, dass künftige Chips um Sicherheitsfunktionen erweitert werden. Chipbasierte Sicherheitsverfahren werden in Handys, PDAs, Firewalls, VPNs und andere Produkte Einzug halten. Hier könnte es zu einer Verdrängung der softwarebasierten Systeme kommen, so zumindest die Experteneinschätzung.
Der Hoffnungsträger Nanotechnologie wird nach Ansicht der Befragten im Jahr 2003 verstärkt wegen möglicher Risiken, die von dieser Technologie ausgehen, in der öffentlichen Diskussion stehen. Mit einem kurzfristig positiven Effekt auf die Wirtschaft rechnen die Experten vor diesem Hintergrund nicht. Eher werde es zu ähnlichen Verunsicherungen in der Öffentlichkeit wie im Bereich der Biotechnologie kommen. Das neue Schlagwort in diesem Zusammenhang heißt Nanoethics.
Nach den verschiedenen Finanzskandalen werde sich in Zukunft die Bilanzierung von Aktienoptionen für Mitarbeiter durchsetzen. In der Folge lassen sich die Ergebnisse der Unternehmen schlechter darstellen. Möglicherweise könnte dies auch Auswirkungen im Wettbewerb um hochkarätige Mitarbeiter haben, da das in den USA beliebte Instrument der Aktienoptionen an Bedeutung verliert. Für den Anleger dürfte diese Umstellung eine höheres Maß an Transparenz und damit nur Vorteile bringen.
Diese Telekommunikationsbranche zählt eindeutig zu den Verlierern der Umfrage. Viele in Insolvenz arbeitende Unternehmen stellen eine große Belastung für die gesamte Industrie dar. Die Experten rechnen mit weiteren Insolvenzen und mit kaum nennenswerten Investitionen.
Beste Chancen geben die Befragten dagegen dem Bereich der Biotechnologie. So makaber es klingt, aber die Bioterrorismus-Diskussion und die damit verbundenen Abwehrstrategien kurbeln laut der Umfrage die Industrie kräftig an. Die USA wollen mit geschätzten 6 Milliarden US-Dollar die größte Summe investieren, die je ein Staat im Biotech-Bereich ausgegeben hat. Dieser Betrag soll vom US-Kongress für den Bereich Biodefense bereitgestellt werden. (Jörg Birkelbach) / (em)