Lucent vermeidet peinliches Gerichtsverfahren
Eine ehemalige Lucent-Managerin drohte über fragwürdige Bilanzierungspraktiken des US-Telekommunikations-Ausrüster öffentlich auszupacken.
Der krisengeschüttelte US-Telekommunikations-Ausrüster Lucent hat das neue Jahr mit der Abwendung eines für das Unternehmen womöglich peinlichen Rechtstreits begonnen. Die ehemalige Top-Mangerin Nina Aversano hatte Lucent wegen angeblichen Vertragsbruches auf eine Zahlung von zwei Millionen US-Dollar verklagt; Lucent soll Aversano im Oktober 2000 genötigt haben, das Unternehmen zu verlassen, nachdem sie die Lucent-Führungsspitze gewarnt hatte, übertriebene Umsatzprognosen zu verbreiten. Aversano warf dem Unternehmen vor, durch fragwürdige Vertriebspraktiken wie dem so genannten "Stuffing the Channel" -- Warenumsätze werden nicht erst beim Verkauf, sondern schon bei der Auslieferung an Distributoren verbucht -- die Umsatzzahlen im Geschäftsjahr 2000 künstlich aufgebläht zu haben, um so die Erwartungen von Analysten zu erfüllen.
Der für den kommenden Montag vor einem öffentlichen Gericht in New Jersey anberaumte erste Verhandlungstermin wurde durch eine kurzfristige außergerichtliche Einigung zwischen Lucent und Aversano nun allerdings hinfällig; das Waschen dreckiger Lucent-Wäsche aufgrund von Insider-Kenntnissen bleibt vorerst also aus. In der Angelegenheit läuft jedoch weiterhin ein Ermittlungsverfahren der US-amerikanischen Börsen- und Finanzaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission). Lucent selbst hatte seine Umsatzzahlen für das vierte Quartal 2000 nach einer internen Untersuchung bereits um 679 Millionen US-Dollar nach unten korrigiert. Nach Bekanntwerden der außergerichtlichen Einigung -- zu deren Inhalt keine näheren Angaben gemacht wurden -- schoss der Kurs der Lucent-Aktie an der New Yorker Börse um 13 Prozent in die Höhe.