Domain-Lotterie kostet Neulevel 1,2 Millionen US-Dollar

Der Streit um die Erstvergabe von .biz-Domains kommt den Registry-Anbieter Neulevel teuer zu stehen.

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Von
  • Monika Ermert

Rund 1,2 Millionen US-Dollar hat US-Domainregistry-Anbieter Neulevel als Vergleichssumme im Streit um die Erstvergabe von .biz-Domains angeboten. Wie das Unternehmen in einem kurz vor dem Jahreswechsel veröffentlichten Vergleich bekannt gab, geht der Löwenanteil für Anwalts- und Verfahrenskosten drauf, nämlich die stolze Summe von 1,175 Millionen Dollar. Ein kalifornisches Gericht hatte das Losverfahren von Neulevel bei der Vergabe von Second Level Domains in der neu eingeführten Top Level Domain .biz als "illegale Lotterie" verurteilt.

Kunden, die beim Start der Registry pro Domain und Los zwei Dollar bezahlt hatten, können den entsprechenden Betrag bei einem Vergleichsverwalter geltend machen, sofern sie bei der Zuteilung leer ausgingen. Der Verkauf der "Lose" hatte mehrere Unternehmen in den USA zu der Klage bewogen, da sie darin einen Versuch von Neulevel sahen, eine stattliche Summe Geld einzustecken, das nicht mehr zurückerstattet werden solle. Neulevel und seine Registrare hatten auch damit geworben, dass sich die Chancen durch den Kauf mehrere Lose für ein und dieselbe Domain erhöhten. Kunden, die mehrere Lose für ihre Wunsch-Domain gekauft haben und diese durch ein einzelnes Los erhalten haben, können pro Los 15 Cents geltend machen.

Wer die Rückerstattung aus dem Losverfahren in Anspruch nimmt, verzichtet auf alle weiteren finanziellen und Rechtsansprüche aus dem Verfahren gegenüber Neulevel sowie gegenüber den mit beklagten Registraren und den DNS-Verwaltern der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN). Eine Widerspruchsfrist läuft am 28. Februar ab. "Wer sich entscheidet, den Vergleich abzulehnen, müsste allerdings ein eigenes Verfahren anstrengen", betonte ICANN-Sprecherin Mary Hewitt. Angesichts der geringen Einzelbeträge mache dies ganz offensichtlich keinen Sinn. NeuLevel habe im Übrigen die Verantwortung für den Prozess und die Entschädigungen übernommen. "ICANN zahlt keinen Pfennig."

Beim deutschen Registrar 1 & 1 Internet hat man die Losgebühren nach Auskunft von Sprecher Michael Frenzel längst zurückerstattet. Weitere Klagen etwa der Nutzer, die ihre ausgelosten Domains noch einmal in den Topf zurückgeben mussten, habe es nicht gegeben. Ob die so entschädigten Kunden dennoch Widerspruch gegen das Vergleichsverfahren einlegen können, dürfte selbst für Juristen eine knifflige Frage sein. Bei 1 & 1 waren im Oktober 40.244 von insgesamt 768.000 .biz-Domains weltweit registriert. Die .biz-Adressen liegen damit immer noch leicht hinter den .info-Domains mit 951.000 Registrierungen. Deutlich weniger Kunden finden .name-Adressen, im Oktober waren nur rund 85.633 persönliche Domains registriert. (Monika Ermert) / (jk)