Oracle schwingt die Support-Peitsche

2600 Anwendern von Oracles Unternehmenssoftware der Serie 10.7 droht Mitte 2003 der Verlust des Herstellersupports, wenn sie nicht auf die aktuelle Version 11i umsteigen.

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Von
  • Hans-Peter SchĂĽler

2600 Anwendern von Oracles Unternehmenssoftware der Serie 10.7 droht Mitte 2003 der Verlust des Herstellersupports, wenn sie nicht auf die aktuelle Version 11i umsteigen.

Gemäß zahlreichen Anwenderberichten, auch aus Kreisen der unabhängigen Oracle Application User Group (OAUG), hatte sich der Datenbankhersteller lange Zeit sehr schwer getan, die im Mai 2000 herausgebrachte, um einiges anspruchsvollere Suite 11i von vielerlei Kinderkrankheiten zu befreien. In der Folge waren bis Mitte 2002 gerade einmal zwölf Prozent der Anwender vom Vorgängerprodukt 10.7 auf die neue Version eingeschwenkt -- ein Zustand, den man bei Oracle offenbar mit allen Mitteln korrigieren will. Im November verkündete die Truppe um Larry Ellison den "De-Support" der Suite 10.7 für den Juli 2003. Ab dann will Oracle keine telefonische Hilfe mehr für diese Software anbieten und zudem jedwede elektronische Dokumentation dafür vom Netz nehmen.

Trotz dieser Drohung waren nach Kenntnis des Datenbankherstellers im Dezember immer noch 20 Prozent der 10.7-Anwender verblieben, und nur die Hälfte davon befasst sich mit einem Upgrade. Die andere Hälfte bringt Oracle in ein eigentümliches Dilemma: Auf der einen Seite brechen dem Konzern die Einnahmen aus Lizenzverkäufen weg -- die Zahlen vom letzten November offenbarten einen diesbezüglichen Rückgang um die Hälfte -- da wären Upgrade-Kunden erst recht willkommen. Auf der anderen Seite gerät ein millionenschweres Geschäft mit 10.7-Softwaresupport in Gefahr, wenn bedeutende Anwender trotz Hersteller-Drohgebärden auch weiterhin einen Umstieg auf aktuelle Oracle-Software verweigern. Zwar scheint das Softwarehaus auch weiterhin Wartungsverträge für die Suite 10.7 über den Juni 2003 hinaus zu verkaufen; ob es diese indessen trotz des verkündeten De-Supports über deren gesamte Laufzeit erfüllen wird, bleibt vorerst unklar.

Die OAUG hatte im November postwendend eine 10.7 De-Support Group aus der Taufe gehoben und Oracle zu einem verlängerten, womöglich durch Aufpreise finanzierten Support für diese Produkte aufgefordert. Bislang sind aber auch dort keine Anzeichen zu erkennen, ob Oracle die Drohung wahr machen wird oder ob es sich bei der Pflege-Einstellung nur um einen Marketing-technischen Papiertiger handelt. (hps)