Musiker zwischen alten Monopolen und neuen Medien
Die Monopolisierung der Radiolandschaft und Digital Rights Management standen zum Ende der Konferenz "Future of Music" im Mittelpunkt.
Zum Ende der Konferenz "Future of Music", die sich dem Spannungsfeld zwischen Musikindustrie, Musikern und Netz verschrieben hat, stand ein klassisches Medium im Mittelpunkt der Diskussion: das Formatradio. So erklärte der US-Senator Russ Feingold in seiner Eingangsrede, er sehe in der steigenden Monopolisierung der US-Radiolandschaft eine große Gefahr für Musiker. Medienriesen wie der Clear-Channel-Konzern mit seinen rund 1.200 Radiostationen könnten Bands dazu zwingen, als Gegenleistung für das Ausstrahlen ihrer Songs in den Konzerthallen des Konzerns zu spielen. Feingold hat im letzten Sommer einen Gesetzesentwurf vorgestellt, mit dem die Monopolisierung der Radiolandschaft begrenzt werden soll. Auf der Konferenz erklärte er nun, das Gesetz auch in den neu gewählten Kongress einbringen zu wollen. Feingold dazu: "Radio ist ein öffentliches Medium, und wir müssen sicherstellen, dass es dem öffentlichen Wohl dient."
Widerspruch erntete er dafür von Adam Thierer vom libertären Cato-Institut. Thierer argumentierte, dass Monopole sogar für mehr Vielfalt sorgen könnten als miteinander um den gleichen Hörerstamm konkurrierende Radiostationen. Außerdem hätten die Konsumenten längst das Interesse an lokalen News und DJs im Radio verloren. Dem stimmte auch Radiopionier Lee Abrams zu: "Lokalradios sind seit 30 Jahren tot." Musikern riet er, lieber auf neue Medien zu setzen, als mit den alten Monopolen zu kämpfen. Eine nicht ganz uneigennützige Aufforderung: Abrams, der seit 37 Jahren im Radiogeschäft ist, arbeitet derzeit als Programmchef des Satellitenradioanbieters XM Radio. Unterstützung erhielt Senator Feingold dagegen von Peter DiCola, dem Autor einer Studie über die Konzentration der US-Radiolandschaft. Die von der Future of Music Coalition herausgegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Musiker es wegen der Radiomonopole es immer schwerer haben, ein Publikum für ihre Musik zu finden.
Einen zweiten Konferenz-Schwerpunkt stellte gestern die Diskussion über Digital Rights Management (DRM) dar. "DRM schadet Musikern", meinte dazu etwa Joe Kraus von der Initiative Digitalconsumer.org. Konsumenten würden sich über kopiergeschützte Produkte ärgern und als Folge weniger Musik kaufen, meint Kraus. Fred von Lohmann von der Electronic Frontier Foundation erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass einige Microsoft-Forscher kürzlich in einem Aufsatz erklärt hatten, der Einsatz von Kopierschutz-Technologien sei möglicherweise kontraproduktiv. Microsofts Director for Technical Policy Andy Moss wandte dann auch ein, dass DRM-Technologie noch lange nicht perfekt sei. Gleichzeitig verwahrte er sich gegen die Idee, Kopierschutz-Technologien gesetzlich vorzuschreiben. Diese Entscheidungen müsse der Markt treffen, erklärte Moss.
"Technische Lösungen werden einfach nicht funktionieren", zeigte sich dagegen Mark Cooper von der Consumer Federation of America überzeugt. Stattdessen favorisierte er eine Abgabe auf digitale Endgeräte und Internetdienste, um Musiker zu kompensieren. Mit so einer Abgabe hatte im letzten Jahr kurzzeitig auch der Internet- und Telekommunikationsanbieter Verizon geliebäugelt. Sarah Deutsch von Verizon erklärte jedoch, dass man derartige Pläne nicht mehr unterstütze. Außerdem berichtete sie dem Publikum vom Rechtsstreit zwischen der Recording Industry Association of America (RIAA) und ihrem Unternehmen. Die RIAA hatte Verizon im Oktober verklagt, um die Herausgabe der Kundendaten eines P2P-Nutzers zu erzwingen. Deutsch bezeichnete das Verfahren als "weiteres Beispiel für einen Tabubruch der RIAA".
Mit Spannung war auch der Auftritt des Kongressabgeordneten Howard Berman erwartet worden. Berman wollte sich zu dem von ihm vorgeschlagenen Gesetz, dass Urhebern technische Selbsthilfe gegen P2P-Nutzer ermöglichen soll, jedoch nicht weiter äußern und appellierte stattdessen lieber an die Einigkeit der Musiker im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen. Außerdem beklagte er die wachsende öffentliche Einstellung, dass der Erwerb von CDs nicht cool sei. Immerhin ließ sich Berman noch entlocken, dass er derzeit an einer neuen Fassung seines Gesetzentwurfs arbeitet.
Trotz Kopierschutz und Peer-to-Peer dominierten allerdings eher klassische Themen die Diskussionen der Konferenz. Neben der US-Radiolandschaft waren dies insbesondere Arbeits- und Vertragsbedingungen von Musikern. Dabei zeigten sich viele Teilnehmer vorsichtig optimistisch. So erklärte der kalifornische Senator Kevin Murray, Musiker säßen heute bei Debatten um neue Gesetze für die Entertainment-Wirtschaft immerhin mit am Tisch. Noch vor wenigen Jahren hätten solche Diskussionen meist hinter verschlossenen Türen stattgefunden. Grund dafür sei auch die Arbeit der Future of Music Coalition. Die Nonprofit-Organisation hat es nicht zuletzt durch die jährlich stattfindende Konferenz geschafft, die Musiker für Internetthemen und eine breitere Öffentlichkeit für die Interessen von Musikern zu sensibilisieren. In diesem Jahr brachte sie dazu rund 500 Besucher zusammen, 200 von ihnen durften als Musiker die Konferenz kostenlos besuchen.
Zur Future of Music siehe auch:
- Webcasting, Copyright und die Unbedarftheit der Politiker
- Musiker, Kopierschutz und der P2P-Flaschengeist
(Janko Röttgers) / (jk)