Taiwanischer Elektronikkonzern schluckt Grundig

Das Traditionsunternehmen Grundig wird nach einem monatelangen Überlebenskampf von Sampo übernommen.

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  • dpa

Das deutsche Traditionsunternehmen Grundig wird nach einem monatelangen Überlebenskampf von dem taiwanischen Elektronikkonzern Sampo übernommen. Der bisherige Mehrheitseigentümer Anton Kathrein unterzeichnete am Mittwoch in München einen entsprechenden Vertrag. "Wir haben vor, das Unternehmen zusammen mit Sampo wieder nach vorn zu bringen", sagte Grundig-Vorstandschef Hans-Peter Kohlhammer.

Die Forschung und Entwicklung als Herzstück des Unternehmens werde am Firmensitz in Nürnberg bleiben. Sampo möchte mit der bekannten Marke Grundig auf dem europäischen Markt Fuß fassen. Grundig gehörte in seinen Glanzzeiten zu den bekanntesten Fernsehherstellern Deutschlands, war in den vergangenen Jahren aber in eine schwere Krise geraten.

Bereits im kommenden Jahr will Sampo das verlustreiche Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen führen. "Ich möchte das Unternehmen nicht allzu stark ändern, sondern dabei helfen, die Kosten zu senken", sagte Sampo-Aufsichtsratschef Felix Chen. Grundig solle ein deutsches Unternehmen mit deutschem Management bleiben. Kohlhammer bleibt auch nach dem Besitzerwechsel Vorstandschef. Einzelheiten zur Neuausrichtung wollte Chen aber noch nicht nennen.

Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Auch die genaue Höhe der Beteiligung von Sampo an Grundig blieb geheim. Kathrein betonte jedoch, noch an Grundig beteiligt zu sein. "Ich bleibe an Bord." Der Unternehmer besaß zuletzt kurzfristig 100 Prozent der Anteile an Grundig. Er will die Neuausrichtung Grundigs als stellvertretender Aufsichtsratschef begleiten.

Grundig hatte in seiner mehr als fünf Jahrzehnte alten Geschichte ein rasantes Auf und Ab erlebt. In Spitzenzeiten beschäftigte die Grundig AG 1979 rund 38.000 Mitarbeiter und verfügte über 30 Werke im In- und Ausland. Damals versäumte das Unternehmen aber den Anschluss an neue Trends und konnte nicht mehr mit der Konkurrenz aus Asien mithalten. Seit Juli 2001 suchte Grundig nach einem starken Finanzpartner. Für 2002 erwartete das Unternehmen bei einem Umsatz von knapp 1,2 Milliarden Euro einen Verlust von 75 Millionen Euro.

Ohne frisches Kapital hätte das Traditionsunternehmen angesichts einer extrem dünnen Eigenkapitaldecke nicht überleben können. Die Banken hatten die Kreditlinien mehrmals verlängert. Kurz vor Weihnachten 2002 verkaufte Grundig seine Fernsehgeräteproduktion in Wien mit rund 1000 Beschäftigten an den Industriellen Mirko Kovats. Damit wurde eine wichtige Hürde in den Verhandlungen mit Sampo beseitigt. Durch den Verkauf schrumpfte die Zahl der Beschäftigten auf 2800. Einen weiteren Stellenabbau schloss Kohlhammer nicht aus. "Ich kann nicht sagen, dass sich nichts verändern wird." Durch das Zusammenrücken zweier Konzerne ergäben sich in der Regel Neuordnungen.

Der Sampo-Konzern gilt als einer der führenden Elektroniklieferanten in Asien. Die Tochter Sampo Technology Corp. (STC) produziert Monitore in drei Werken in Taiwan, auf den Philippinen und in der Volksrepublik China. Außerdem vertreibt Sampo Haushaltsgeräte und Multimedia-Produkte. Zuletzt erwartete Sampo einen Umsatz von mehr als 400 Millionen US-Dollar. (dpa) / (tol)