Ermittlungen gegen MobilCom-GrĂĽnder Schmid

Der umtriebige Unternehmer sah sich zur Unterzeichnung des Treuhändervertrages mit Ex-RTL-Chef Thoma "genötigt".

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Von
  • Johannes Endres

Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt seit Freitag wegen eines Aktienoptionsgeschäfts gegen Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid und seine Frau, meldet der Focus in seiner morgen erscheinenden Ausgabe. In seiner Zeit als MobilCom-Vorsitzender hatte Schmid das Optionsgeschäft veranlasst, in dessen Rahmen über 71 Millionen Euro an die Firma Millenium GmbH flossen, die Schmids Frau Sybille Schmid-Sindran gehört. Gegenüber dpa erklärte Oberstaatsanwalt Uwe Wick, es bestehe ein "Anfangsverdacht der Untreue".

Derweil gibt es gut zwei Wochen vor der außerordentlichen Hauptversammlung, die am 27. Januar über das Sanierungskonzept beschließen soll, weiterhin Streit um die Frage, wer das Stimmrecht aus Schmids 42-prozentigem Aktienanteil ausüben wird. Der Mobilcom-Gründer möchte den Hamburger Wirtschaftsprüfer Otto Gellert an Stelle des Ex-RTL-Chefs Helmut Thoma zum Treuhänder machen, steht damit jedoch bislang allein da.

Nach der Bundesregierung betonte nun auch der MobilCom-Aufsichtsrat Dieter Vogel, dass er weiterhin mit Thoma als Treuhänder rechnet. "Herr Schmid kann den Treuhänder nicht einfach absetzen. Sonst könnte er ja die Vereinbarung zur Rettung der Mobilcom mit einem Federstrich zunichte machen" zitiert der Focus den Chef-Sanierer. Auch Thoma selbst schließt sich an: "Ich halte die Kündigung des Vertrages für völligen Unsinn."

Schmid erklärte demgegenüber in der aktuellen Ausgabe des Spiegel, er sei nach Rücksprache mit Juristen zu der Erkenntnis gelangt, dass die Umstände, die zu seiner Unterschrift unter den Vertrag führten, den strafrechtlichen Tatbestand der Nötigung erfüllten. Seine Ehefrau und er hätten nicht Thoma, sondern den früheren Debitel-Chef Joachim Dreyer als Treuhänder gewollt. "Aber dann hat man mir die Pistole auf die Brust gesetzt und gedroht, MobilCom Pleite gehen zu lassen, falls wir den Vertrag samt Treuhänder nicht unterschreiben", sagte Schmid. (je)