Trierer Institut für Telematik löst sich auf

Das Institut konnte ein finanzielles Defizit aus dem Jahr 2001 im vergangenen Jahr nicht ausgleichen.

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  • dpa

Wegen finanzieller Probleme will sich das universitätsnahe Trierer Institut für Telematik auflösen. Das Institut habe ein Defizit von 380.000 Euro aus 2001 im vergangenen Jahr nicht ausgleichen können, teilte Institutssprecher Hans-Joachim Allgaier am Montag mit. Wegen der schlechten Wirtschaftslage blieben seit Monaten Aufträge aus. Zudem habe das Land Rheinland-Pfalz als Hauptgeldgeber den Förderhahn zugedreht. Von der Schließung des vor fünf Jahren als Verein gegründeten Instituts seien 40 Mitarbeiter betroffen. Das Institut hatte sich noch im Oktober 2002 für den Betrieb der geplanten Top Level Domain .eu beworben.

"Eine Übernahme des Instituts war nicht möglich, aber die Mitarbeiter, die befristete Verträge haben, arbeiten weiter an der Universität", sagte Allgaier. Institutsdirektor Prof. Christoph Meinel werde seinen Lehrstuhl für theoretische Informatik behalten. Die Mehrheit der Vereinsmitglieder, unter ihnen die Stadt Trier, die Kammern, der Energiekonzern RWE und die Bitburger Brauerei, hätten einer Bewertung des Wirtschaftsministeriums zugestimmt, wonach es keine wirtschaftliche Grundlage für das Institut gebe, berichtete Allgaier. Wegen seiner Gemeinnützigkeit habe das Institut zudem keine Rücklagen bilden können.

"Wir haben all die Jahre zukunftsträchtige und wirtschaftsnahe Hightech-Forschung rund ums Internet betrieben und waren erfolgreich mit Preisen und Dissertationen auf internationalen Konferenzen", erklärte Institutschef Meinel. Insgesamt seien 120 Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit einem Volumen von 5,8 Millionen Euro bearbeitet worden. Es sei ein negatives Signal, dieses innovative Modell nicht mehr zu fördern. Mit dem Institut verschwinde ein leistungsfähiges deutsches Forschungs- und Entwicklungszentrum. Rheinland-Pfalz drohe im Wettbewerb um innovative Informations- und Kommunikationstechnologien zurückzufallen.

Nach Darstellung Meinels hat die Universität Trier eine Übernahme des Instituts wegen des "zu hohen und risikobehafteten Eigenfinanzierungsanteils" abgelehnt. Für das Jahr 2003 hatte das Institut erneut mit 750.000 Euro Förderung vom Wissenschaftsministerium gerechnet. "Das Ministerium hat von Integration auf Liquidation umgeschaltet", sagte Meinel.

Ministeriumssprecher Rüdeger Schlaga erklärte, dass das Land Rheinland-Pfalz weiter in innovative Projekte investieren werde. Über Projektanträge sei eine Förderung möglich und könnten junge Forscher gehalten werden. Die Unterhaltung einer Einrichtung mit festem Personal sei allerdings zu teuer. In diesem Jahr werde das Land zudem noch Geld in die Abwicklung des Instituts stecken müssen. (dpa) / (anw)