Nokia streicht in Korea die Segel

Der weltgrößte Handy-Hersteller will in Südkorea nur noch für den Export produzieren lassen.

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Ein Unternehmenssprecher von Nokia hat bestätigt, was südkoreanische Zeitungen bereits am Wochenende vermeldet hatten: Den Rückzug des weltgrößten Handyproduzenten aus dem koreanischen Markt -- das heißt aus Südkorea; in Nordkorea gibt es keinen öffentlichen Mobilfunk. Als Grund wurde in den Medien die übermächtige, lokale Konkurrenz genannt, namentlich Samsung und LG. Nokia würde den Verkauf von Endgeräten in Korea einstellen und auch die Research&Development-Niederlassung zusperren. Für den Export könnte hingegen weiterhin in Südkorea produziert werden, auch eine kleine Marketing-Mannschaft solle in dem 47-Millionen-Einwohner-Land verbleiben.

Auf Anfrage von heise online erklärte Nokias Vizepräsident Kari Tuutti, sein Unternehmen habe tatsächlich die Produktion von CDMA-Handys für den koreanischen Markt eingestellt. Die bisherige Kooperation mit Telson Electronics werde nicht fortgesetzt, weil Nokia sich auf von der Open Mobile Alliance unterstützte Standards konzentrieren wolle, die koreanischen Netzbetreiber jedoch nicht kompatible Middleware nutzten. Geräte für die dritte Generation wolle man aber sehr wohl in Korea vermarkten.

Im November hatte Nokia die ersten CDMA-1X-Handys auf den koreanischen Markt gebracht, damit aber kaum reüssiert. Außerdem war Nokias größter koreanischer Abnehmer, SK Telekom, von den Behörden für einen Monat bis Mitte Dezember das Werben von Neukunden überhaupt untersagt worden. Der Netzbetreiber hatte gegen das strenge koreanische Verbot der Endgeräte-Subventionierung verstoßen -- ein Verbot, das Berichten zufolge künftig gelockert werden könnte.

Obwohl Nokia laut Tuutti CDMA prinzipiell verbunden bleibt und einen CDMA-Weltmarktanteil von zehn Prozent erreichen will, dürften sich die Hoffnungen des finnischen Konzerns am koreanischen Markt auf UMTS vulgo W-CDMA konzentrieren. Zumindest bis zum Abheben dieses Marktes muss Nokia Südkorea also den lokalen Konzernen überlassen. Aus Nordkorea drangen letztes Jahr Meldungen über Pläne für den Aufbau eines Mobilfunknetzes, was postwendend auf heftige Kritik der USA stieß. (Daniel A. J. Sokolov)/ (tol)