Forschungspreis für Quantenkryptographie und Wirtschaftsinformatik
Der Phillip-Morris-Forschungspreis wird für Arbeiten auf dem Gebiet der Quantenkryptographie, Materialforschung, Biochemie und Wirtschaftsinformatik vergeben.
Der mit insgesamt 100.000 Euro dotierte Phillip-Morris-Forschungspreis wird in diesem Jahr für Arbeiten auf dem Gebiet der Quantenkryptografie, Materialforschung, Biochemie und Wirtschaftsinformatik vergeben. Diese Entscheidung der Jury hat die Philip-Morris-Stiftung in München bekannt gegeben. Den Preis teilen sich in diesem Jahr vier Forscher und Forscherteams aus München, Hamburg, Garching und Saarbrücken.
Professor Harald Weinfurter und sein Kollege Christian Kurtsiefer erhielten die Auszeichnungen für die Entwicklung von kompakten, preiswerten und zuverlässigen Geräten für die quantenkryptographische Übertragung über eine Freiluftstecke. Die Forscher hatten gemeinsam mit britischen Kollegen im Herbst 2001 erstmals über eine Freiluftstrecke von 23,4 Kilometern eine quantenkryptographische Verbindung realisiert.
Theoretisch kann die Quantenkryptographie eine absolut sichere Übertragung von geheimen Schlüsseln garantieren. Jeder Versuch, diese Kommunikation abzuhören, verändert die Übertragung und entlarvt den Spionageversuch so automatisch: Eine Messung -- meist die Bestimmung der Polarisationsrichtung eines Photons -- beeinflusst das Objekt und legt damit dessen Zustand fest. Führt ein Spion auf dem Übertragungsweg also eine solche Messung durch, indem er die übertragenen Photonen abhört, zerstört er damit Informationen.
Was einerseits die Sicherheit des Verfahrens garantiert, macht andererseits seine praktische Realisierung sehr schwierig -- denn jede Störung, die bei der Übertragung entsteht, kann kaum von Abhörversuchen unterschieden werden. Je größer die Entfernung, desto schwieriger wird die Übertragung. Japanische Forscher halten über Glasfaser den Rekord von 87 Kilometern. Auf Freiluftstrecken war die größte bisher überbrückte Entfernung um eine Größenordnung kleiner, denn dabei kommt das Problem hinzu, dass die optischen Eigenschaften der Atmosphäre sich schnell und recht kleinräumig ändern.
Für neue Grundlagen zur Datenspeicherung in kommenden Computergenerationen erhalten die Hamburger Physiker Professor Roland Wiesendanger und sein Kollege Matthias Bode den Philip-Morris-Forschungspreis. Mit dem von ihnen entwickelten Verfahren der spinpolarisierten Rastertunnelmikroskopie können die Forscher winzige magnetische Veränderungen "bis an die Grenze des physikalisch Möglichen" erzeugen und messen.
Eine Anwendung in zahlreichen Unternehmen haben bereits die Forschungsarbeiten des Wirtschaftsinformatikers Professor August-Wilhelm Scheer von der Universität Saarbrücken gefunden. Ihm sei es gelungen, die vielfältigen, nur schwer beschreibbaren Abläufe in einem Unternehmen für die Planung und Betreuung durch Computer zugänglich zu machen. Scheer konnte sein System ARIS (Architektur integrierter Informationssysteme) durch Gründung einer eigenen Firma durchsetzen.
Der Biochemiker Professor Horst Kessler von der Technischen Universität München in Garching erhält die Auszeichnung für seine Weiterentwicklung der Kernresonanz-Spektroskopie. So lassen sich jetzt Form und Struktur von Peptiden in natürlicher Umgebung exakt bestimmen. Dies wiederum ermöglicht es, auch komplizierte, dazu passende Strukturen zu finden, die sich wie die Teile eines Druckknopfs ergänzen und gemeinsam wirksam werden. (wst)