Entmachteter IBM-Chef Staudt gibt Versäumnisse zu

Die deutsche Landesgesellschaft hat bei operativen Entscheidungen der Konzernzentrale nur wenig Einfluss, bemängelt der Manager.

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Von
  • Torge Löding

Einen Tag nach seiner überraschenden Ablösung durch Walter Raizner hat IBMs ehemaliger Deutschlandchef gestern Versäumnisse in seiner Arbeit eingeräumt. In einem Gespräch mit der Financial Times Deutschland begründete er seinen Rückzug mit der gegenwärtigen Absatzkrise von Computer- und Softwareanbietern. In dieser Situation sei es besser, einen starken Mann für das operative Geschäft zu haben. Sein eigenes Talent sehe er eher in der strategischen Planung, IBM aber brauche einen versierten Manager für das Tagesgeschäft.

Staudt räumte gegenüber der Zeitung ein, dass die deutsche Landesgesellschaft bei operativen Entscheidungen der Konzernzentrale nur wenig Einfluss hat. Das zeige sich besonders bei der Festplattenfertigung in Mainz, die Ende des Jahres endgültig eingestellt wird. "Die Schließung des Werkes in Mainz" -- und damit die Schließung von IBMs letzter Fabrik in Deutschland -- "beruht auf einer Entscheidung der Konzernzentrale", sagte Staudt. "Da konnten wir nichts machen." Im Unternehmen soll der Posten des deutschen IBM-Geschäftsführers deshalb auch als "Frühstücksdirektor" bezeichnet werden, wie heise online erfuhr.

Erst im vergangenen Jahr war die Belegschaft in Mainz von einst 2500 Arbeitnehmern auf 1600 reduziert worden -- insbesondere durch die Kündigung von studentischen und freien Mitarbeitern. Seit dem Jahreswechsel 2002/2003 sind es jetzt nur noch 1300. Die meisten haben sich mit dem Unternehmen auf die Beendigung des Arbeitsverhätnisses geeinigt, während 400 bis 500 in anderen Bereichen weiterbeschäftigt werden. Bis zu 100 Kündigungen könnten noch ausgesprochen werden, sagte der Betriebsrat gegenüber heise online.

Das Verhältnis zum abgelösten IBM-Chef Staudt bezeichnete Betriebsratschef Klaus Trautmann gegenüber heise online als zwiespältig: "Zwei Herzen schlagen in meiner Brust. Zum einen habe ich den Umgang mit Herrn Staudt geschätzt, und der Standort Deutschland liegt ihm wohl wirklich am Herzen. Das betrifft aber eher weniger die Produktionstätte in Mainz. In den Verhandlungen der letzten Zeit hatten sich einige Zusagen leider plötzlich in Luft aufgelöst." (tol)