Fintech-Insolvenz: Nuri stellt im Dezember den Betrieb ein
Nach der Insolvenzmeldung im August gehen nun im Dezember die Lichter bei der Berliner Neobank Nuri aus. Kunden mit Bitcoin-Ertragskonto müssen weiter zittern.
(Bild: Nuri)
Die insolvente Internet-Bank Nuri beendet zum 18. Dezember den Betrieb. Die rund 200.000 Kundinnen und Kunden des Berliner Start-ups seien an diesem Dienstag informiert und gebeten worden, bis dahin sämtliche Gelder und Kryptowerte abzuziehen, teilte laut Deutscher Presseagentur der Insolvenzverwalter, die Anwaltskanzlei GT Restructuring, mit. Bis zum Stichtag werde das Unternehmen sie "vollumfänglich bei der Auszahlung ihrer Einlagen unterstützen", hieß es weiter. Bereits zum 30. November werde der Handel mit Kryptowährungen auf der Plattform eingestellt.
Nuri hatte im August das Insolvenzverfahren beantragt. Als Grund nannte das Unternehmen ein herausforderndes Geschäftsumfeld mit Abkühlung an den Kapitalmärkten und negativer Entwicklung bei den Kryptowährungen. Nuri hat eigenen Angaben nach zuletzt ein Vermögen in Höhe von rund 325 Millionen Euro verwaltet. Das ursprünglich unter dem Namen Bitwala gegründete Start-up verband Kryptowährungshandel und Onlinebanking-Dienste.
Zwar habe es seither einige Interessenten für das Unternehmen gegeben, doch angesichts der sich weiter verschlechternden Marktlage seien diese Investoren inzwischen abgesprungen, teilte der Insolvenzverwalter mit. "Der Geschäftsbetrieb der Schuldnerin hätte weiteres frisches Kapital in Höhe von rund zehn Millionen Euro gebraucht, um profitabel zu werden."
Vivid will Nurikunden anlocken
Nuri-Kunden, die nahtlos bei einer anderen Neobank weitermachen wollen, können das über den Konkurrenten Vivid machen. Das Berliner Finanz-Startup teilte mit, eine Kooperation mit Nuri geschlossen zu haben, die Kunden eine schnelle Überführung ihrer Nurikonten in einen Vivid-Account ermöglichen soll. Wer das wolle, müsse noch ein Identifikationsverfahren über die Vivid-App durchlaufen und könne dann seine Guthaben transferieren. Auch Krypto-Guthaben würden kostenlos übertragen, verspricht Vivid.
Das Finanz-Startup Vivid bietet neben einem Girokonto und einer kostenlosen Visa-Debit-Karte verschiedene Anlagemöglichkeiten in Aktien, Fonds und Kryptowährungen. Die Infrastruktur dafür kommt von der Bank Solaris, Vivid hält noch keine eigene Banklizenz.
Bitcoin-Ertragskonten immer noch eingefroren
Nach wie vor keinen Zugriff auf ihre Guthaben haben allerdings Kunden der sogenannten Bitcoin-Ertragskonten. Für diese Konten versprach Nuri seiner Kundschaft bis zu 3 Prozent Rendite auf Bitcoin-Einlagen. Dafür wurden eingezahlte Coins, vermittelt über den Bankpartner Solaris, an die Zins-Plattform Celsius aus den USA weitergereicht. Die hatte ihrerseits im Juli Insolvenz angemeldet und zuvor noch alle Abhebungen von Einlagen gesperrt. Nuri hatte in den Bedingungen der Konten aber deutlich gemacht, dass es keine Einlagensicherung gibt und dass der Dienst auch nicht für Verluste einstehe. "Die Anleger tragen vollständig das Risiko der Insolvenz von Celsius Network", hieß es.
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Bezüglich dieser Konten erklärt Nuri nun, dass es bei Celsius um ein separates Insolvenzverfahren in den USA handele. Betroffene sollten prüfen, ob sie in dem US-Verfahren als Gläubiger von Celsius aufgeführt sind (eine Liste von Namen ist über dieses Dokument auf Seite 92 abrufbar). Wenn nicht, müssten sie es selbst angehen, ihre Forderungen geltend zu machen. Nuri verwies hier auf die US-Kanzlei Stretto, die sich im Verfahren um die Forderungen der Gläubiger kümmert. Weitere Details zu anderen Konten und Diensten Nuris finden sich auf einer FAQ-Seite.
(axk)