Trotz unklarer Finanzlage weitere Chip-Entwicklung in Brandenburg
Das vom IHP entwickelte Silizium-Germanium-Kohlenstoff-Verfahren soll mit einer Technologie von Intel "verschmolzen" werden; dieser Tage würden die dafür gekauften Geräte in den IHP-Reinstraum eingebaut.
Trotz der offiziell noch ungeklärten Finanzierung der geplanten Halbleiterfabrik in Frankfurt (Oder) geht die Entwicklung der Chips weiter. Das im Frankfurter Institut IHP entwickelte Silizium-Germanium-Kohlenstoff-Verfahren soll mit einer Technologie von Intel "verschmolzen" werden, wie es beim IHP hieß. Dieser Tage würden die dafür vom Chipwerk-Betreiber Communicant gekauften Geräte in den IHP-Reinstraum eingebaut, sagte IHP-Chef Wolfgang Mehr am Donnerstag in der Oderstadt. Für die Entwicklungsleistung zahlt Communicant dem IHP 18,2 Millionen Euro.
Das ehrgeizige 1,3-Milliarden-Euro-Projekt an der Oder ist mit 1300 geplanten Arbeitsplätzen das derzeit größte Investitionsvorhaben in Ostdeutschland. Während die technische Entwicklung voranschreitet, dreht sich allerdings auf der Chipwerk-Baustelle nahe der Autobahn gen Warschau seit Wochen kein Kran. Der Grund: Noch immer fehlt ein beträchtlicher Teil der nötigen Finanzen. Der 31. Januar, Frist für das Mandat eines Bankenkonsortiums, das die fehlenden Millionen eintreiben soll, rückt bedrohlich nah.
"Die Finanzierung ist heute Tabu-Thema", verkündete Communicant-Sprecher Wulf Buschardt am Donnerstag, bevor die Journalisten die für 51 Millionen Euro gekauften Hochleistungsgeräte bestaunen durften. Mit der Commerzbank sei absolutes Stillschweigen vereinbart. Zugleich heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium: "Das Gesamtfinanzierungskonzept ist für uns noch offen. Wir warten auf Informationen." Ende des Monats sei in Frankfurt/Main ein Gespräch zum Thema Finanzen geplant, berichtet Buschardt.
Unterdessen verbreiten die Akteure auf dem Podium der Pressekonferenz nahe der Chipwerkbaustelle Optimismus. Der Österreicher Helmut Brunner stellt sich als neues Communicant-Vorstandsmitglied vor. "Ich bin hierher gekommen, um eine Weltklasse-Produktion aufzubauen." Er habe schon mehrere Chipfabriken gebaut und sei nun mit seiner Frau nach Frankfurt gezogen. Buschardt berichtet, das für Finanzen zuständige neue Vorstandsmitglied Jean-Jaques Morin habe jetzt sein Haus in Arizona verkauft und sei samt Familie nach Berlin übergesiedelt. "Es werden auch große persönliche Hoffnungen in das Projekt gesetzt", sagt er.
Unterdessen hieß es am Donnerstag in der Märkischen Oderzeitung, für den Fall des Scheiterns der Chipfabrik sei Vorsorge getroffen, dass es keinen Ausverkauf Frankfurter Forschungsergebnisse gibt. Der Spiegel hatte jüngst berichtet, es bestehe die Gefahr, dass das Werk nicht gebaut werden kann und die Frankfurter Technologie Intel in die Hände fällt. "Intel ist ein seriöser Partner", betonte Communicant-Chef Abbas Ourmazd am Donnerstag. Nach aktuellem Plan sollen die Bauarbeiten für die Fabrik schon bald wieder aufgenommen werden. Ende 2004 sollen die ersten Chips an der Oder hergestellt werden. Ursprünglich war der Produktionsstart schon für dieses Jahr geplant. (Sophia-Caroline Kosel, dpa) / (jk)