Open-Source-BĂĽcher im Aufwind
Nach dem Buchverlag O'Reilly startet jetzt auch der Konkurrent Prentice Hall eine Buchreihe, deren Werke frei kopiert und verändert werden dürfen.
Der US-amerikanische Buchverlag Prentice Hall startet eine neue Buchreihe, deren Werke unter Open-Source-Bedingungen sowohl frei kopiert als auch verändert werden dürfen. Die Bücher sollen der Open Publication License unterliegen. Der Autor behält das Copyright an seinem Ursprungs-Werk, sofern er es nicht auf Dritte überträgt. Änderungen oder Streichungen im Rahmen von Bearbeitungen des Werkes müssen kenntlich gemacht und Hinweise auf die Originalquellen angebracht werden.
Für 2003 ist die Herausgabe von sechs Büchern vorgesehen; angesichts von rund 300 "konventionellen" Neuerscheinungen bei Prentice Hall ein eher bescheidener Einstieg. Die ersten drei geplanten Veröffentlichungen beschäftigen sich mit dem nicht mehr weiterentwickelten eCos-Betriebssystem von Red Hat, der Programmierung unter Linux und mit Snort, einer Sicherheitssoftware für Netzwerke. Auch im Internet sollen elektronische Versionen der Bücher bereit gestellt werden. Wenn sich die Reihe als erfolgreich erweist, will der Verlag im Folgejahr den Ausstoß erhöhen und bis zu zwölf neue Titel auf den Markt bringen.
Prentice Hall sieht seine neue Buchreihe als eine unterstĂĽtzende Geste gegenĂĽber der Open-Source-Gemeinde, die ein wichtiger Kunde des Verlages ist. Durch den freien Zugang zu elektronischen BĂĽchern erhoffe man sich aber auch einen Verkaufsanreiz fĂĽr die gedruckten Werke.
Die neue Reihe wird unter dem Namen von Bruce Perens laufen, jenes streitbaren Open-Source-Pioniers, der früher das Debian-Projekt geleitet hat und zwischen 2000 und 2002 als Open-Source-Stratege bei Hewlett-Packard tätig war. Zurzeit ist Perens als freier Berater tätig, eine Unabhängigkeit, die er -- "zu politisch, als dass ich Angestellter eines Unternehmens sein könnte" -- für sein Wirken unter anderem gegen das Digital Rights Management benötige.
Prentice Hall setzt mit seiner Open-Source-Reihe auch ein Zeichen gegen die sich im Verlagswesen beständig verschärfenden Bemühungen, so viel Kontrolle wie möglich über die eigenen Verlagswerke auszuüben. Dennoch steht der Verlag nicht allein: Der Konkurrent O'Reilly hat bereits verschiedene Bücher unter OPL- oder GNU-Lizenzbedingungen herausgegeben. (klp)