Gemeinsame Schnittstelle für Mobilfunk und Rundfunk
Software-Updates über Broadcasting-Netze könnten für eine neue Ehe zwischen Hörfunk und Mobilfunk sorgen.
Software-Updates über Broadcasting-Netze könnten für eine neue Ehe zwischen Hörfunk und Mobilfunk sorgen. Für eine Konvergenz-Plattform über Mobilnetze und die nur langsam in Schwung kommenden Digital Audio Broadcasting (DAB) und Digital Video Broadcasting (DVB-T)-Netze warb Bernd Wiemann, Chefentwickler bei der Vodafone Pilotentwicklung GmbH bei einer Konferenz der Landesanstalt für Kommunikation (Lfk), der Arbeitsgemeinschaft privater Rundfunk (APR) und des SWR zum Hörfunk 2010 in Stuttgart.
Den Vodafone-Entwicklern in München, die sich mit Planungsszenarien in 10-Jahreszyklen befassen, schwebt dabei die Kombination der Kernkompetenzen beider Netze vor, sagte Wiemann. Während ihre Netze Mobilität, Interaktivität und dabei alle Möglichkeiten für die Authentifizierung, Lokalisierung und die notwendigen Abrechnungsverfahren bieten, können die Rundfunksender schnell, kostengünstig und mit großer Bandbreite Daten an größere Nutzergruppen verteilen. Die möglichen Bandbreiten liegen bei 1,2 MBit/s für DAB, die Fernsehvariante DVB-T liefert stolze 13,3 MBit/s.
"Schon bei etwa hundert Empfängern des gleichen Inhalts innerhalb eines Verbreitungsgebietes haben wir einen Break-Even für DVB-T", sagte Wiemann. Mit der "Konvergenz-Plattform", die eine einheitliche Schnittstelle für Programm- und Diensteanbieter schafft, könnten interaktiver Rundfunk und andere neue interaktive Dienste neben klassischem Rundfunk und Mobilfunk angeboten werden. Neben der Idee der Software-Updates, für die es einen wachsenden Markt gebe, nannte Wiemann den Bereich der Telematik, zum Beispiel Updates für Straßenpläne in Fahrzeugen. In den Vodafone-Labors wird außerdem an Verkaufsautomaten und elektronischen Zeitungen gearbeitet, die per Broadcast-Kanal ihre Inhalte erhalten.
Die Hörfunk-Mobilfunk-Ehe könnte dem zäh vorankommenden DAB und DVB-T neuen Anschub geben. Den Umstieg ins Digitale, für den die LfK eindringlich warb, würden die finanziell gebeutelten Privatveranstalter gerne noch einmal verschieben. "Bis 2003 sollte im Hinblick auf die internationale Planungskonferenz 2006 zur Frequenzneuordnung ein nationales Strategiepapier vorliegen und kein Mensch diskutiert darüber", warnte LfK-Präsident Thomas Hirschle. Anders als die Kollegen anderer Medienanstalten setzt die LfK damit unbeirrt auf die Digitalisierung des Hörfunks. Mangelnde Durchsetzung von DAB-Emfpängern am Markt hat andere Medienanstalten bereits dazu veranlasst, DAB für gestorben zu erklären. Der Präsident des Medienrates der Sächsischen Landesmedienanstalt hatte Anfang der Woche erklärt, man müsse im Zweifel auch den Mut haben, das Scheitern einzugestehen.
2006 soll auf der "Stockholm-Nachfolge-Konferenz" ein internationales Abkommen über die Frequenzen für den digitalen Rundfunk (174 bis 230 MHz und 470 bis 862 MHz) getroffen werden. Den Umstieg von analog-terrestrischem Fernsehen auf digitales Fernsehen hat die Bundesregierung für 2010 festgeschrieben. Schon früher werde es UKW-Sendern aufgrund wegbrechender Werbeeinnahmen an den Kragen gehen, so Hirschle. Außerdem müssen die Funker auch die Konkurrenz der TK-Anbieter im Gerangel um die Frequenzen fürchten.
"Wir werden uns auf der Konferenz für vernünftiges Abschneiden einsetzen, unser Anspruch ist allerdings, dass diese Ressourcen dann auch genutzt werden", sagte Wolfgang Becker vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit. Ein Zurückhalten von Frequenz-Kapazitäten für einen späteren Einsatz werde nicht möglich sein. Ungenutzte Kapazitäten werde man an neue Diensteanbieter aus dem Bereich der Datendienste vergeben, so Becker. "Wir möchten diese Datendienste fördern", sagte Becker. Sollten die Funker nicht einsteigen, könnten so Anbieter wie Vodafone sich um eben diese Frequenzen bemühen. Ohnehin machten Datendienste mit Schwerpunkt auf SMS bei der Vodafone-Mutter bereits jetzt knapp 12 Prozent des Umsatzes aus, so Wiemann. (Monika Ermert) / (anw)