MobilCom immer noch tief in den roten Zahlen

Die auĂźerordentliche Hauptversammlung stimmt der Vereinbarung mit France Telecom zu.

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  • dpa

MobilCom schreibt auch nach dem Ausstieg aus dem neuen Mobilfunk-Standard UMTS rote Zahlen. Die Verluste im Kerngeschäft als Vermittler von Mobilfunkverträgen hätten Besorgnis erregende Ausmaße erreicht, sagte MobilCom-Chef Thorsten Grenz am Montag auf der außerordentlichen Hauptversammlung des Unternehmens in Hamburg. Der Vorstand werde jedoch die Sanierung entschlossen angehen und sehe eine Zukunft für das Unternehmen.

Es wurde erwartet, dass die Hauptversammlung den Verträgen zur Entschuldung des Unternehmens zustimmt. Vorstand, Vertreter der Aktionäre und MobilCom-Gründer Gerhard Schmid befürworteten in ihren Redebeiträgen die Vereinbarungen mit France Telecom, mit denen die Franzosen MobilCom-Schulden von rund sieben Milliarden Euro übernehmen. Das Verhandlungsergebnis sei vor allem dem Geschick von MobilCom-Aufsichtsrat Dieter Vogel zu verdanken, sagte Grenz. "Ohne Vogel gäbe es MobilCom nicht mehr", erklärte der Vorstandschef. Dagegen sagte Schmid, die Entschuldung sei ein Ergebnis der belastbaren Verträge, die er mit France Telecom abgeschlossen habe.

Die Rolle des MobilCom-Gründers war unter den Kleinaktionären umstritten. Während einige Redner Schmid vorwarfen, er habe mit dem Erwerb der UMTS-Lizenz für rund acht Milliarden Euro MobilCom in ein unverantwortliches Abenteuer getrieben, hoben andere Schmids Verdienste um den Aufbau des Unternehmens hervor. Grenz hatte zuvor dargelegt, dass ein UMTS-Engagement sich für MobilCom auf Jahrzehnte nicht ausgezahlt hätte. Die Schulden wären so hoch geworden, dass selbst unter optimistischen Annahmen alle Gewinne auf Jahrzehnte an die Kreditgeber gegangen wären.

Das halbfertige UMTS-Netz des Unternehmens im Wert von einer Milliarde Euro werde wieder abgebaut, falls nicht bis März ein Käufer für die Anlagen gefunden wird, teilte Grenz mit. Bislang sei das Interesse begrenzt. MobilCom stehe in dieser Frage unter Zeitdruck, weil France Telecom nur noch bis zum Jahresende die Folgekosten für das Netz übernehme. Bis dahin müsse der Rückbau abgeschlossen sein. Die UMTS-Lizenz würde in einem solchen Fall ersatzlos an den Staat zurückfallen. Gerhard Schmid hatte vor Journalisten sein gegenteilige Auffassung verteidigt: Nicht der Ausstieg aus UMTS, sondern der Aufbau mit einem Partner oder allein sei nun das Gebot der Stunde. Schließlich sei die teure UMTS-Lizenz und das halbfertige Netz nun von France Telecom bezahlt. "Das war das größte Geschenk in der europäischen Wirtschaftsgeschichte", sagte Schmid. "Ein Unternehmen schenkt dem anderen sieben Milliarden Euro."

Die Hauptversammlung hatte mit Verzögerung begonnen, weil sich alle Aktionäre strengen Sicherheitskontrollen unterziehen mußten und zunächst kein Verhandlungsleiter zur Verfügung stand. Der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Ripken war aus dem Gremium ausgeschieden, sein Stellvertreter Ulrich Kalthoff angeblich kurzfristig verhindert. Diese Erklärung des Vorstandes brachte Schmid zu der Äußerung, die Aktionäre sollten veräppelt werden. Die Hauptversammlung wählte anschließend Vogel zum Versammlungsleiter, der bereits drei Mal vergeblich für den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden kandidiert hat. (dpa) / (tol)