Untersuchung: Trend zu „Small Premium“-Autos
- Gernot Goppelt
Die Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers hat die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, nach der es auch im Bereich so genannter Premium-Autos einen Trend zu kleineren Fahrzeugen gibt. Zwar wollen demnach 80 Prozent der Besitzer eines Oberklasse-Pkw auch künftig nicht auf den gewohnten Luxus verzichten, doch immerhin 15 Prozent würden sich beim nächsten Autokauf für ein kleineres Fahrzeug entscheiden, weitere drei Prozent sind unentschieden. Von den Fahrern eines SUV bleiben 71 Prozent dem Geländewagen treu, während 22 Prozent ein bescheideneres Auto anschaffen wollen. Und selbst in der Mittelklasse wollen mehr Befragte künftig auf ein kleineres Auto umsteigen (12 Prozent) als auf ein größeres (vier Prozent). Alleine für Deutschland entspräche dies einem Umsatzrückgang von rund 1,5 Milliarden Euro.
Das Problem bei dieser Entwicklung: Die Umsetzung neuer Ideen in marktfähige Produkte kostet Geld, das die Autoindustrie derzeit nur schwer aufbringen kann. Zwar werden 2009 in Deutschland dank der Abwrackprämie mit 3,8 Millionen Pkw voraussichtlich so viele Autos verkauft wie zuletzt Ende der 90er Jahre. Der staatlich finanzierte Boom ist jedoch nicht nachhaltig. Am härtesten treffe das die Volumenhersteller. Optimistischer ist die Prognose aber für die Premium-Hersteller. Nach einem massiven Absatzeinbruch im laufenden Jahr dürfte die Produktion in Deutschland 2010 um sechs Prozent steigen. Auch mittelfristig seien die Perspektiven gut: Europaweit sei zwischen 2010 und 2015 mit einem Anstieg der Produktion von 3,5 Millionen auf 4,8 Millionen Einheiten zu rechnen. Allerdings werde dies vor allem auf die „Small-Premium“-Modelle (Mercedes A-Klasse, BMW 1er-Reihe etc.) zutreffen. Damit wachsen die Hersteller auf Kosten der Umsatzrendite, die bei teureren Fahrzeugen höher ist als bei den Einstiegsmodellen.
In den kommenden 24 Monaten leide die Autoindustrie nicht nur unter der sinkenden Nachfrage, sondern auch der Aufrechterhaltung von Überkapazitäten. Nach aktuellen Berechnungen müssten die Hersteller wegen der fehlenden Produktionsvolumina rund 1700 Euro je Fahrzeug einsparen, um die für Ihre Fahrzeuge gesetzten finanzwirtschaftlichen Ziele halten zu können. Parallel kommen auf die deutschen Automobilunternehmen in den kommenden fünf Jahren Investitionen von zusammen rund 100 Milliarden Euro allein für Forschung und Entwicklung zu. Zu den Wachstumschancen innerhalb der Automobilindustrie zählen laut PwC zweifelsohne die alternativen Antriebskonzepte – allen voran die Elektromobilität. PwC-Experten halten in einem positiven Szenario, gekennzeichnet durch hohe Ölpreise, Infrastrukturprogramme und zusätzliche signifikante Kaufanreize, eine weltweite Produktion von Elektrofahrzeugen in einer Größenordnung von über 2,5 Mio. Einheiten in 2020 für möglich. (ggo)