Fraunhofer-Institute präsentieren 55 Exponate auf der CeBIT

Das Spektrum des CeBIT-Auftritts der Fraunhofer-Gruppe reicht vom "elektronischen Schiedsrichter" bis zur augmented reality.

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  • Gerald Mackenthun
  • dpa

Die Fraunhofer-Gruppe Informations- und Kommunikationstechnik will nach eigenen Worten die weltweit führende Forschungsgruppe auf dem Gebiet der "menschenzentrierten Computeranwendung" werden. Auf der Computermesse CeBIT im März wird die Gruppe 55 Exponate vom "elektronischen Schiedsrichter" bis zum "digitalen Wasserzeichen" vorstellen, die den Menschen helfen sollen, sicherer, schneller und bequemer Computer zu bedienen und Datenmengen zu verwalten. Die Branche stehe vor einem Sprung in ein neues Zeitalter, sagte der Leiter der Gruppe, José Encarnacao, am Donnerstag in Berlin.

Der "elektronische Schiedsrichter" hätte bei der Fußball-Weltmeisterschaft vielleicht den Zorn der Fans über Schiedsrichterentscheidungen besänftigen können. Derzeit wird die digitale Fußballpositionserkennung im Frankenstadium in Nürnberg erprobt. Sender im Ball und in den Schienbeinschonern der Spieler übermitteln mehrmals pro Sekunde Positionsdaten an acht Empfänger am Spielfeldrand. "Abseits, Aus und Tor: Informationen darüber bekommt der Schiedsrichter auf eine Art Armbanduhr", erläuterte Fraunhofer-Sprecherin Susanne Langer. Die Informationen lassen sich theoretisch zu Zusatzinformationen für Fernsehzuschauer verarbeiten. (Zum "elektronischen Schiedsrichter siehe auch den Artikel Chiprichter -- Computer als Schiedsrichterassistenten, c't 19/2002, S. 80; der Artikel steht online als kostenpflichtiger Download bereit.)

Die Fraunhofer-Gruppe ist der Zusammenschluss von 16 Fraunhofer-Instituten in zehn deutschen Städten mit zusammen 2000 Mitarbeitern und einem Budget von 200 Millionen Euro. An die neuen Erfindungen und Entwicklungen, die die Institute bis zum Prototyp vorantreiben, wird sich der Kunde erst gewöhnen müssen. Hinter iFinder beispielsweise verbirgt sich eine neuartige Suchmaschine, die die Inhalte von Tonband- und Videoaufzeichnungen mit Hilfe des Sprach- und Videoerkennungsverfahrens MPEG-7 automatisch kodiert. "Benutzer der Suchmaschine werden in die Lage versetzt, alle Textstellen des Kanzlers herauszufischen, in denen er das Wort 'Irak' sagte", erläuterte Ute Gärtel vom Fraunhofer-Institut für Medienkommunikation.

Die gleiche Suchmaschine ist auch in der Lage zu erkennen, was auf Videofilmen zu sehen ist. Der Nutzer tippt zum Beispiel "Autofahrt" ein und enthält eine Liste aller gespeicherten Filmsequenzen, in denen ein fahrendes Auto zu sehen ist. Bundestag, Bundesregierung und Fernsehsender könnten an iFinder interessiert sein, meinte Gärtel.

"Augmented reality", also "vermehrte Realität", versprechen eine ganze Reihe virtueller Anwendungen -- von der Bohrmaschine bis zur Grafitti-Sprühdose. Die virtuelle Bohrmaschine ist Teil eines Trainingsprogramms, das über Datenhandschuhe auch den Tastsinn integriert. Kinder werden sich freuen über einen Ausflug in den New Yorker Stadtteil Bronx. Mit Datenbrillen ausgestattet, können sie hemmungslos ihre Bilder sprühen. Diese werden auf der digitalen Leinwand rückstandslos entfernt, gehen aber trotzdem nicht verloren, da sie ins Internet gestellt werden können.

Das "digitale Wasserzeichen" der Fraunhofer-Gruppe wird Video-, CD-, und Radio-Raubkopierern das Leben weiter erschweren. Das so genannte Grid-Computing vernetzt Hard- und Software ĂĽber Kontinente hinweg, und eine Eye Mouse setzt die Augenbewegung des Computernutzers in Softwarebefehle um.

"Nicht alles, was an Techniken entwickelt wird, wird auch auf den Markt kommen", dämpft Encarnacao mögliche Erwartungen. "Weil wir nicht wissen, was sich durchsetzt, probieren wie eben alles ein bisschen aus." Die Institute der Fraunhofer-Gesellschaft entwickeln Techniken der Zukunft zusammen mit Anwendern, überlassen die Markteinführung aber kommerziellen Unternehmen. (Gerald Mackenthun, dpa) / (wst)