Giftpille bei Siebel, Zucker für die Aktionäre
Das auf Kundenmanagement-Software (Customer Relations Management, CRM) spezialisierte Softwarehaus Siebel igelt sich gegen feindliche Übernahmen ein.
Das auf Kundenmanagement-Software (Customer Relations Management, CRM) spezialisierte Softwarehaus Siebel igelt sich gegen feindliche Übernahmen ein. Das Unternehmen gab gestern einen so genannten Aktionärsplan bekannt, im englischen Finanzsprachgebrauch auch Poison Pill (Giftpille) genannt, der üblicherweise zum Schutz vor Übernahmeangeboten in Aktion tritt. Im Rahmen dieser Maßnahme erhalten Altaktionäre die Gelegenheit, neu aufgelegte Vorzugsaktien zum Sonderpreis zu erwerben. Das Angebot tritt aber nur dann in Kraft, wenn nach dem 13. Februar eine Einzelperson oder Personengruppe 15 Prozent oder mehr vom Siebel-Stammaktienbestand aufkauft.
Für die Aktionäre bedeutet dieses Angebot -- so es denn zum Tragen kommt -- klingende Münze. Siebels Erklärung setzt das Bezugsrecht, das erst in zehn Jahren verfallen soll, mit einer steuerfrei auszahlbaren Dividende gleich. Anlass für die großzügige Offerte dürfte allerdings weniger die Sympathie des Unternehmens mit seinen Anteilseignern sein, sondern die Nebenwirkung, dass sich eine feindliche Übernahme unter diesen Umständen erheblich teurer und zeitraubender für den Aufkäufer gestaltet.
Ganz von ungefähr kommt das Schutzbedürfnis nicht: Seit dem vergangenen Frühjahr ist Siebels Aktienkurs von über 37 auf unter neun US-Dollar gefallen; und da das Unternehmen in den letzten beiden Quartalen Nettoverluste wegstecken musste, ist kurzfristig keine Besserung in Sicht. Zwar hatte sich das Softwarehaus vergangenen Herbst so eng an den expansionshungrigen Softwareriesen Microsoft angelehnt, dass man mühevoll Gerüchte dementieren musste, Siebel stehe vor einem Aufkauf aus Redmond. Doch mittlerweile rudert der CRM-Anbieter auch inhaltlich in die andere Richtung und erschließt sich zusätzlich zu .NET die alternative Programmierbasis J2EE (Java 2, Enterprise Edition).
Kein Wunder, dass sich das Unternehmen mit Macht um den Shareholder Value seiner Anteile bemüht: Erst letzte Woche hatte Firmengründer Tom Siebel, für den der Aktionärsplan übrigens nicht gilt, auf ihm zustehende Aktienoptionen in Höhe von 56 Millionen US-Dollar verzichten müssen. Daraufhin vermehrte sich der Besitzanteil der übrigen Aktionäre von 86,5 auf 89,3 Prozent. (hps)