Ericsson verbreitet dĂĽstere Stimmung

Wie kein anderer der fĂĽhrenden Handy-Hersteller der Welt ist Ericsson vom Einbruch des Mobilfunk-Booms getroffen worden, weil die Firma zur falschen Zeit auf das falsche Pferd setzte.

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Von
  • Thomas Borchert
  • dpa

Der schwedische Ericsson-Konzern ist trotz eines scharfen Sanierungsprogrammes auch im vergangenen Jahr mit hohen Verlusten das Sorgenkind der Handybranche geblieben. Nachdem Nokia in Finnland als souveräner Marktführer und das US-Unternehmen Motorola als Zweiter überraschend positive Bilanzen vorgelegt hatten, folgte Ericsson am Montag mit zwar verringerten, aber immer noch hohen Verlusten und schlechteren Zahlen als von Analysten erwartet.

Wie kein anderer der führenden Handy-Hersteller der Welt sind die Schweden damit vom Einbruch des Mobilfunk-Booms getroffen worden, weil sie zur falschen Zeit auf das falsche Pferd setzten. "Ganz klar, unsere Handys waren ein Debakel, deshalb haben wir die Produktion ja aufgegeben. Und als wir auf die Infrastruktur setzten, brach die Konjunktur für alle ein", erklärte Vorstandschef Kurt Hellström im Rundfunk die dritte Bilanz in Folge mit riesigen Verlusten.

Niemand widersprach ihm. Unter dem Strich stand auch dieses Jahr wieder ein Nettoverlust von 19 Milliarden Kronen nach mehr als 21 Milliarden ein Jahr zuvor. Dass die Zahlen in diesem Jahr immerhin etwas weniger katastrophal aussahen, lag auch weniger an neuen Wachstumshoffnungen denn an den Folgen eines schnell und äußerst hart durchgezogenen Schrumpfungs-Programms.

Von über 100.000 Beschäftigten Ende 1999 verkleinerte das Management die Mitarbeiterzahl auf jetzt knapp 65.000. Bis Ende des Jahres sollen es weniger als 60.000 sein. "Irgendwann" in diesem Jahr werde man wieder schwarze Zahlen schreiben, verkündete der 59-jährige Konzernchef, behielt aber trotzdem ein nicht zu überhörendes Moll in der Tonlage bei. "Ich würde liebend gerne sagen, dass die Wende da ist, aber es in der nahen Zukunft keine Anzeichen dafür", prognostizierte Hellström für die gesamte Branche.

Der Markt fĂĽr Mobil-Infrastruktur wird nach Meinung von Ericsson in diesem Jahr um 10 Prozent schrumpfen. Damit legten sich die Schweden als einzige unter den fĂĽhrenden Unternehmen der Branche auf eine Zahl fest. Nokia und Motorola sehen die Entwicklung als so unsicher an, dass sie lediglich eine Vorhersage von 5 bis 10 Prozent Minus (Nokia) und 6 bis 12 Prozent (Motorola) machen wollten. Siemens nannte ĂĽberhaupt keine Zahl, erwartet aber auch einen RĂĽckgang fĂĽr die Netz-Sparte. Bei Handys selbst sagen die Produzenten bis zu 10 Prozent Wachstum voraus.

Mit dem von allen sehnlichst erwarteten Durchbruch für die neuen UMTS-Netze für Handys der dritten Generation (3G) rechnen die Skandinavier nun noch später als bisher. Für 2003 gehe man von einem Marktanteil von 11–13 Prozent aus, sagte Ericsson-Finanzchef Sten Fornell der Agentur Direkt. 2005 soll dieser Anteil laut der neuen Ericsson-Prognose auf ein Drittel steigen. Bisher hatte es "auf 50 Prozent" geheißen. (Thomas Borchert, dpa) / (jk)