Iran: Regime durchsucht angeblich Social-Media-Accounts von Verhafteten

Seit Wochen protestieren im Iran Menschen gegen das Regime. Das reagiert unvermindert brutal. Außerdem sind wohl nicht einmal die Social-Media-Konten sicher.

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(Bild: esfera/TATSIANAMA/Shutterstock.com/heise online)

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Im Iran greifen Vertreter des Regimes womöglich auf die Social-Media-Accounts von Menschen zu, die nicht nur im Zuge der aktuellen Proteste verhaftet beziehungsweise getötet werden. Das berichtet der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf verschiedentliche Hinweise, in einem Fall hätten auch Staatsmedien entsprechend berichtet. Anbieter wie Facebook seien weitgehend machtlos angesichts der weitreichenden Zugriffsmöglichkeiten, die ein Staat wie der Iran hat, heißt es noch. Die Facebook-Mutter Meta hat demnach in einem Fall eine interne Untersuchung eingeleitet.

CNN berichtet unter anderem von einer Frau, die Ende September festgenommen wurde. Während sie im berüchtigten Evin-Gefängnis gewesen sei, hätten die Behörden ihren Account bei dem Messenger Telegram reaktiviert und dort gesucht, mit wem sie in Kontakt gestanden hat. In einem weiteren Fall geht es um den Instagram-Account von Nika Shahkarami. Die 16-Jährige war nach einer Demonstration Ende September in Teheran mutmaßlich in den Händen von Sicherheitskräften gestorben. Der Account wurde demnach nach ihrem Tod kurzzeitig reaktiviert.

Laut einer internen Untersuchung beim Mutterkonzern Meta lag das an einem Fehler bei Instagram selbst, aber iranische Staatsmedien haben laut CNN berichtet, dass ein Zugriff unter anderem auf die Direktnachrichten mit richterlicher Zustimmung erfolgt sei. Aus der Familie der Toten heißt es demnach, dass deren Smartphone in den Händen des Staatsanwalts gesehen wurde.

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Weitere Belege für die Vorwürfe gibt es dem Bericht nach bislang nicht, aber dass solche Accounts nicht vor einem Staat geschützt werden können, der auch noch Zugriff auf Mobilgeräte bekommt, liegt nahe. Selbst Zwei-Faktor-Authentifizierung kann dann umgangen werden, etwa indem SMS mit Zugangscodes abgefangen werden. Inwieweit das im Iran tatsächlich passiert, ist unbekannt. Anfang November war bekannt geworden, dass Behörden im Iran aus der Ferne nicht nur individuelle Mobilgeräte umfassend überwachen, sondern ihnen auch gezielt das Internet abdrehen und umfassend kontrollieren, wie damit kommuniziert wird. Trotzdem dauern die Proteste gegen das Regime weiter an, seit dem heutigen Montag soll es wieder landesweit Streiks geben.

(mho)