Regulierungsbehörde mit .de-Registry zufrieden
Auch wenn es in Deutschland nach Ansicht der RegTP keinen Regulierungsbedarf gibt, sehen sich die Länderdomain-Verwalter mit mehr Aufmerksamkeit durch Regierungs-Organisationen konfrontiert.
Domains fallen unter das Telekommunikationsgesetz, doch Regulierungsbedarf gibt es derzeit nicht, sagte die frisch gebackene Chefin der Abteilung Internet in der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP), Carola Schwarz-Schilling beim ICANN-Studienkreis in Berlin. Im Moment sei die .de-Vergabe ihrer Einschätzung nach diskrimierungsfrei und transparent, zumindest schreie niemand so laut, dass ein Eingreifen der RegTP notwendig erscheine. "Wir streben das nicht an," sagte sie. Auch Michael Leibrandt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit äußerte sich grundsätzlich positiv zum Denic-Modell.
Dennoch wird den ccTLD-Registries und auch der für die IP-Nummernvergabe verantwortlichen Regional Internet Registry (RIR) künftig wohl mehr staatliche Aufmerksamkeit zu Teil, als sie selbst für notwendig erachten. George Papapavlou von der EU-Kommission sagt, die Kommission favorisiere durchaus eine verstärkte Zusammenarbeit europäischer Regierungen mit den RIRs und den ccTLDs. Mit Letzteren fanden bereits mehrere informelle Treffen statt, um das komplizierte Verhältnis zwischen Regierung und ccTLD zu klären.
Um die verschiedenen Gruppen, die noch immer in zähen Verhandlungen mit der ICANN um eine künftige internationale Koordinierung stecken, bemüht sich auch die ITU. In ihrer Erklärung von Marrakesch haben die Mitgliedsstaaten Domain-Namen auf ihrer Agenda weiter nach oben gerückt: Statt von einer "aktiven Beteiligung" werde der ITU nun eine "wichtige Rolle" bei der DNS-Politik zugesprochen. ITU-Vertreter Richard Hill empfahl die ITU als Hüter technischer Standards ohne Anspruch auf die Rolle des globalen Regulierers: "Ich bin der Typ, der die Country Codes bei den Rufnummern vergibt -- und haben sie schon mal von mir gehört?" Hill sagte, die ITU erfülle genau die Bedingungen, die von den Länderdomain-Managern an ICANN gestellt würden: eine aufs Minimum beschränkte Koordinationsfunktion, die politische Entscheidungen und Regulierung den einzelnen Mitgliedsstaaten überlasse. Für Anfang März hat die ITU die Länderdomain-Manager nun zu einem zweitägigen Treff nach Genf geladen.
Länderdomain-Manager und Regional Internet Registries hoffen trotz der anhaltenden Debatten und der Avancen von verschiedenen Seiten aber noch immer auf eine Lösung innerhalb des ICANN-Prozesses. Für mehr Regierungseinfluss sehen sie keinen Bedarf, kritisierten allerdings unisono die weiter zunehmende Komplexität der ICANN. Daneben gibt es Kritik am neuen Nutzerbeteiligungsmodell (At-large Advisory Committee, ALAC), das ebenfalls recht byzantinische Strukturen vorsieht. "Wie soll man Leute motivieren, viel Arbeit zu investieren, um dann ein Gremium zu wählen, das ein Gremium wählt?", sagte der für ICANN gewählte Direktor Andy Müller-Maguhn mit Blick auf die neuen regionalen Nutzer-Beiräte. Interessenten für die Europa-Variante lud unverdrossen Thomas Roessler, derzeit Interim-ALAC-Mitglied, zu einem Treffen am Ende der Studienkreistagung am Dienstagnachmittag. Euralo - die European Regional At large Group -- könnte dann das Licht der Welt erblicken. (Monika Ermert) / (jk)