CeBIT: Geheimniskrämerei um UMTS
Den großen Knall wird es nicht geben: Eher leise und Schritt für Schritt wird UMTS die bisherigen Mobilfunkstandards ergänzen und ersetzen.
Den großen Knall wird es nicht geben: Eher leise und Schritt für Schritt wird UMTS die bisherigen Mobilfunkstandards ergänzen und ersetzen. Sicher ist immerhin, dass es in diesem Jahr ernst wird -- die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) verlangt, dass bis Ende 2003 die technischen Voraussetzungen geschaffen sind, damit ein Viertel der Bundesbürger über UMTS erreicht werden kann. Im Vorfeld der CeBIT geben sich Netzbetreiber und Gerätehersteller dennoch bedeckt. Und auch auf der weltweit größten Computer- und Technikmesse selbst, die am 12. März in Hannover beginnt, wird der Ball wohl eher flach gehalten werden.
"UMTS ist einfach nur ein breiteres Kabel", sagt Catrin GlĂĽcksmann, Pressesprecherin bei E-Plus in DĂĽsseldorf. Damit will sie sagen, dass der neue Mobilfunkstandard vor allem schnellere Ăśbertragungsgeschwindigkeiten bietet. General Packet Radio Service (GPRS) gestattet Datentransferraten von bis zu 150 Kilobits pro Sekunde (Kbps) -- UMTS soll bis zu 2 Megabits pro Sekunde (Mbps) schnell sein. Freilich ohne Kabel.
Das schnellere Tempo soll sich allerdings auch in den Inhalten niederschlagen: "Dazu gehören bewegte Bilder und Animationen", erklärt Catrin Glücksmann. E-Plus baut auf die Anbieter, die i-mode schon heute mit Inhalten füttern. Welche Angebote im Einzelnen wann und wo im UMTS-Format starten, darüber hüllt sich E-Plus allerdings ebenso in Schweigen wie die Konkurrenz. Es gebe noch einiges zu klären, so Glücksmann. Zum Beispiel müssten genügend UMTS-fähige Endgeräte vorhanden sein. "Sicher ist nur, dass wir die Auflagen der Regulierungsbehörde erfüllen werden und bis Ende des Jahres 25 Prozent der Bundesbürger mit UMTS erreichen", sagt Glücksmann.
Auch die Deutsche Telekom wird diese Vorgaben erfüllen und nach eigenen Angaben wahrscheinlich übertreffen: "Wir haben im vergangenen Jahr rund 140 Millionen Euro investiert und bisher für UMTS 7000 zusätzliche Sende-Antennen in ganz Deutschland aufgebaut", sagt Philipp Schindera, Pressesprecher bei T-Mobile in Bonn. Die gleiche Summe will die Telekom-Tochter noch einmal in diesem Jahr ausgeben. "Wir wollen die Verbraucher auf der CeBIT überraschen", so Schindera. Auf der Messe soll UMTS in der Praxis gezeigt werden. Offiziell wird T-Mobile aber erst in der zweiten Jahreshälfte mit UMTS starten.
Die Preisstruktur, so viel verrät Schindera von T-Mobile, lehne sich an die bisherige an: Einerseits werde es eine Eventbepreisung geben. Das heißt für das Versenden beispielsweise einer Kurznachricht (SMS) zahlt der Nutzer eine Summe, die unabhängig von der Größe der Mitteilung ist. Zum anderen wird es bei bestimmten Diensten wie dem mobilen Internet aber auch eine Abrechnung nach Menge der übertragenen Daten geben.
Bei den Handyherstellern ist in Sachen UMTS bisher Motorola am schnellsten: Der US-Hersteller zeigte schon auf der CeBIT im vergangenen Jahr das erste UMTS-Handy. Und den Nachfolger des A830 hat Motorola mit Deutschlandsitz in Wiesbaden ebenfalls schon angekündigt: Das A835 soll in der zweiten Jahreshälfte 2003 in den Handel kommen. Das Gerät wiegt 160 Gramm und unterstützt neben UMTS auch die bisherigen Standards GPRS und GSM. Auf dem Display mit 176 mal 220 Pixel lassen sich kleine Videofilmchen betrachten, mit der eingebauten Kamera kann der Besitzer Schnappschüsse machen und sie anschließend verschicken. Außerdem verfügt das Triband-Handy über einen MP3-Player. Einen Preis hat der Hersteller noch nicht bekannt gegeben.
Samsung Electronics hat die Markteinführung seines ersten UMTS-Handys für den Herbst dieses Jahres angekündigt. Das SGH-Z100 besitzt ein TFT-Display, das 260 000 Farben darstellt. Zum Leistungsumfang gehören unter anderem eine eingebaute Digitalkamera und Video-Telefonie. Was das Java-fähige Gerät kosten soll, hat Samsung mit Deutschlandsitz in Schwalbach im Taunus noch nicht bekannt gegeben.
Ein weitergehendes Schweigegelübde hat man sich bei Nokia auferlegt: Details in Sachen UMTS sind im Vorfeld der CeBIT nicht zu erfahren. Sicher ist nur, dass der finnische Hersteller sein bereits im September 2002 in Helsinki präsentiertes erstes UMTS-Handy -- das Nokia 6650 -- in Hannover zeigen wird. Das Nokia 6650 unterscheidet sich von herkömmlichen Handys neben der höheren Übertragungsgeschwindigkeit vor allem durch die Möglichkeit, mit einer eingebauten Kamera Videoclips aufzuzeichnen und zu verschicken. Abgesehen davon, findet sich das Gros der Funktionen auch bei Oberklasse-Handys ohne UMTS.
"Einen Eindruck davon, wie unsere ersten UMTS-Handys aussehen, bekommen Sie, wenn Sie sich das P800 anschauen", sagt auch Myriam Hoffmann, Pressesprecherin bei Sony Ericsson in Köln. Das GRPS-Spitzenmodell verschickt E-Mails und sämtliche Formen von Kurznachrichten wie SMS und MMS - Bilder inklusive. Das Triband-Handy ist mit einer Kamera, Bluetooth und Infrarotschnittstelle ausgestattet. Über eventuell auf der CeBIT zu präsentierende UMTS-Handys gibt Sony Ericsson noch nichts bekannt. "Aber es wird schon zusammen mit den Mobilfunkanbietern getestet", sagt Hoffmann.
Den Verbraucher dürfte diese Geheimniskrämerei eher verunsichern. Lohnt es sich, spätestens nach der CeBIT ein Gerät mit UMTS-Unterstützung zu kaufen? Die Hersteller haben darauf natürlich eine eindeutige Antwort: "Ein UMTS-Handy ist eine Investition in die Zukunft", sagt Myriam Hoffmann von Sony Ericsson. (Sven Appel, dpa)/ (tol)