O2 profitiert von der Rufnummern-Mitnahme
Drei Monate nach Start der Nummernportabilität im Mobilfunk geben Netzbetreiber und Diensteanbieter erste Trends zur Nutzung des Angebots bekannt. Seit 1.
Seit 1. November 2002 können Handynutzer ihre Rufnummer zu einem neuen Betreiber mitnehmen. Obwohl die deutschen Netzbetreiber eine gemeinsame Datenbank zu den so genannten Portierungen eingerichtet haben, die von der Telekom-Tochter T-Systems betreut wird, kursieren recht unterschiedliche Angaben über die Akzeptanz des jungen Angebots. Die Bandbreite der Zahlen zu den Wechslern schwankt zwischen 40.000 am oberen Ende und etwa 16.500 am unteren Ende der Fahnenstange. Einig sind sich die Interpreten der Datenbank bislang nur, dass O2 die größten Gewinne aus den neuen Freiheiten ziehen konnte. D2 Vodafone tendiert beim Wechselspiel dagegen am stärksten ins Minus. Angesichts des noch geringen Ausgangsmaterials halten seriöse Beobachter die "Trends" aber generell zunächst nur für begrenzt aussagekräftig.
Die umfangreichsten und höchsten Zahlen erhielt heise online von einem Diensteanbieter, der einen direkten Zugriff auf die Portierungsdatenbank hat. Demnach beantragten bis zum Montag bereits etwa 40.000 Mobiltelefonierer einen Betreiberwechsel, ohne dabei jedoch ihre alte Nummer aufzugeben. Diesen Zahlen zufolge kann O2 gut 8000 Kunden zu sich ziehen, während D2 Vodafone etwa 9000 Nutzer verliert. Für E-Plus ergeben sich leichte Gewinne, für T-Mobile schwache Verluste. Die beiden relativ kleinen Betreiber scheinen so der großen Konkurrenz einige Kunden abjagen zu können.
O2 dürfte dabei mit seiner "Heimzone" im Genion-Tarif locken, in der sich Festnetznummer und Mobiltelefon verknüpfen lassen. E-Plus gilt in Betreiberkreisen dagegen als führend in der Sprachqualität, auch wenn es mit der Netzverfügbarkeit noch mangelt. Allerdings versüßen beide Firmen den Abschied vom alten Betreiber auch mit Gutschriften: E-Plus etwa hat vergangene Woche den "Sofort-Wechsel-Service" gestartet, dank der ein Kunde gleich mit dem gewählten Tarif und aktivierter SIM-Karte im neuen Netz loslegen kann. Außerdem erhalten alle zu E-Plus wechselnden Kunden den bis zum endgültigen Portierungstermin anfallenden monatlichen Grundpreis rückerstattet. O2 gewährt seit Mitte Januar einen Wechselbonus als Startguthaben in Höhe von 50 Euro an -- das Doppelte von dem, was die großen Betreiber für den Umzug berechnen.
Trotz der Marketing-Aktion gibt man sich bei der aus Viag Interkom hervorgegangenen Tochter des britischen O2-Konzerns eher zurückhaltend, was die Wechselzahlen angeht. "Wir gehen von insgesamt 16.500 Kunden aus, die bis Ende Januar ihren Betreiber gewechselt und ihre Nummer mitgenommen haben", erklärte Unternehmenssprecher Stefan Zuber gegenüber heise online. Dass sich die Entwicklung dabei gerade für O2, die im letzten Quartal die Kundenzahl steigern konnte, positiv darstelle, will er nicht verheimlichen; aber zu diesem Punkt auch keine exakten firmeninternen Daten verraten. Ein anderer großer deutscher Netzbetreiber zählt dagegen inoffiziell 20.000 Nummern-Mitnahmen.
Die Uneinigkeit über die Wechselfälle kann sich Zuber allein damit erklären, dass O2 "nur die wirklich durchgeführten Tauschvorgänge zählt". Bei den Portierungen würden viele Kunden oft einige Zeit lang "im Orbit" zwischen einzelnen Betreibern hängen. "Manche überlegen es sich doch noch anders oder fallen durch die Bonitätsprüfung", weiß Zuber. Deswegen könnten die in der Gesamtdatenbank zunächst notierten Zahlen höher sein als die der wirklich abgeschlossenen und bei den Betreibern verbuchten Wechseln. (Stefan Krempl) / (anw)