Minisonde funkt Daten aus der Blutbahn

Eine nur zwei Millimeter dicke und rund fünf Millimeter lange Sonde, die mit einem minimalen Eingriff gezielt in einem Blutgefäß postiert wird, übermittelt drahtlos Blutdruck- und Temperaturwerte an eine am Körper getragene Lesestation.

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Von
  • Wolfgang Stieler

Eine nur zwei Millimeter dicke und rund fünf Millimeter lange Sonde, die mit einem minimalen Eingriff gezielt in einem Blutgefäß postiert wird, übermittelt drahtlos Blutdruck- und Temperaturwerte an eine am Körper getragene Lesestation. Die von einem Team um den Ingenieur Uwe Schnakenberg vom Institut für Werkstoffe der Elektrotechnik der RWTH Aachen entwickelte Sensor wird in einem Katheterschlauch bis zu einer Gefäßverzweigung geführt und dann aus dem Schlauch herausgeschoben. Dabei klappen drei elastische Haltebeinchen nach außen, die dafür sorgen, dass die Sonde an der Verzweigungsstelle hängen bleibt.

Die Elektronik der Minisonde entwickelte Gerd vom Bögel, Ingenieur am Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme (IMS) in Duisburg. Vom Bögel nutzte die besondere Kompetenz des IMS bei der Herstellung mikromechanischer Drucksensoren auf Siliziumbasis. Heraus kam ein Mikrochip, der alle Funktionen auf sich vereint: Druck- und Temperaturmessung, Speicherung von Kalibrierungsdaten und die Signalaufbereitung für die drahtlose Übertragung.

Die Minisonde muss ohne Batterie auskommen. Mittels einer winzigen Antenne saugt sie Energie aus den elektromagnetischen Wellen, die das Lesegerät aussendet. Dabei überträgt sie zehnmal pro Sekunde die aktuellen Temperatur- und Blutdruckwerte. Die am Körper getragene Lesestation speichert die Daten. Der Arzt kann diese später bequem auf einen Rechner laden und auswerten.

Aber noch bereitet die Reichweite der drahtlosen Übertragung zwischen Sonde und Lesestation den Forschern Kopfzerbrechen. Mit derzeit drei Zentimetern ist sie zu kurz. Nach Schnakenbergs Einschätzung sind acht Zentimeter machbar. Daher verhandeln die Aachener Forscher jetzt mit einem finanzkräftigen Industriepartner, der diese Barriere überwinden helfen und die Minisonde zur Marktreife führen soll.

Ein britisch-israelisches Forscherteam hatte im Mai 2000 erstmals eine 11 mm × 30 mm große Kapsel vorgestellt, die mit einer Minikamera und einer weißen Leuchtdiode als Lichtquelle ausgerüstett, bei ihrem natürlichen Weg durch den Verdauungstrakt aufgenommenen Bilder aus dem Inneren des Patienten nach draußen funkt. (wst)