Sabre trotzt der Reiseflaute

Die hohen Provisionen des Betreibers des weltgrößten Computer-Reservierungssystems Sabre sorgen für Ärger bei den Fluggesellschaften.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Sabre Holdings, Betreiber des weltgrößten Computer-Reservierungssystems für Reisebüros, kann sich trotz Reiseflaute und starker Internet-Konkurrenz gut behaupten. Zwar musste das im texanischen Southlake beheimatete Unternehmen im vergangenen Jahr infolge des anhaltenden Preisverfalls im Luftverkehrsgeschäft leichte Umsatzeinbußen hinnehmen, den Profit steigerte der Konzern 2002 jedoch deutlich: Bei Einnahmen von 2,030 Milliarden US-Dollar (minus 3,5 Prozent) erwirtschaftete Sabre, dem unter anderem die Online-Reisedienstleister Travelocity und GetThere angehören, einen Nettogewinn von 255 Millionen US-Dollar (plus 10 Prozent).

"Auf Kosten der Fluggesellschaften", wie zahlreiche Sabre-Vertragspartner nun beklagen. "Sabre kassiert Gebühren, die nicht mehr im Verhältnis zur Leistung stehen", zetert etwa J. Scott Kirby, Marketing-Chef der US-Fluglinie America West Airlines.

Während der Markt hierzulande vom Computer-Buchungssystem Amadeus beherrscht wird, an dem unter anderem die Deutsche Lufthansa beteiligt ist, nutzen das 1976 eingeführte Sabre-System insbesondere US-Reiseagenturen, die auf Geschäftsreisen spezialisiert sind. Lukrativ ist das Buchungsgeschäft für Sabre vor allem deswegen, weil das Preisniveau der vermittelten Tickets deutlich über dem anderer Ticketvermittler liegt -- Orbitz etwa, das sich auf das Segment der preisgünstigen Urlaubsflüge konzentriert und damit deutlich niedrigere Umsätze erzielt.

Zurzeit kassiert Sabre für jedes verbuchte Ticket eine Gebühr von rund drei Prozent von den Fluggesellschaften. In den vergangenen zehn Jahren hob das Unternehmen seine Vermittlungsprovisionen um rund 20 Prozent an, während im gleichen Zeitraum die Ticketpreise um 30 Prozent in den Keller sackten. Mit dem Geld finanziert Sabre auch die Anreize für angeschlossene Reiseagenturen: Wer Flüge über das Sabre-System bucht, erhält Computer kostenlos, Gutschriften und auch schon mal Barbeträge ausgezahlt.

"Selbst wenn Sabre die Vermittlungsgebühr mit einem Schlag um 50 Prozent erhöhen würde, wir würden wahrscheinlich auch dies bezahlen", sagt Craig Kreeger, Verkaufsmanager bei American Airlines. Für eine große Fluglinie wie American Airlines, die allein im vergangenen Jahr Tickets im Wert von fünf Milliarden US-Dollar über Sabre abgesetzt habe, sei es unablässlich, in allen wichtigen Reservierungssystemen und damit in möglichst vielen Reisebüros vertreten zu sein.

"Ohne Sabre können wir nicht -- mit Sabre fehlt uns die Luft zum Atmen", so beschreiben zahlreiche Airline-Manager die derzeitige Situation. Ihre Hoffnung gilt nun dem US-Transportministerium, das noch in diesem Jahr darüber entscheiden soll, ob Reservierungsspezialisten wie Sabre den Fluggesellschaften ihre hohen Gebühren aufzwingen und die Kosten für die Infrastruktur der Buchungssysteme auf die Airlines abwälzen dürfen. (pmz)