Organizer als "sehende Einkaufshelfer"

Seit drei Jahren verwandelt Professor Beat Brüderlin mit Studenten der Technischen Universität Ilmenau Organizer oder Handys in "sehende Einkaufsberater".

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  • Kai Oppel
  • dpa

Seit drei Jahren verwandelt Professor Beat Brüderlin mit Studenten der Technischen Universität Ilmenau Organizer oder Handys in sehende Einkaufsberater. "Sie erkennen Gegenstände wie Elektroherde oder Waschmaschinen und liefern bei Bedarf umfangreiche Informationen", sagt Brüderlin. Die kleinen Helfer könnten nach Ansicht von Experten in der Medizin, im Tourismus, in der Bildung oder im Service eingesetzt werden. Als Prototyp funktioniert der elektronische Einkaufsberater der Ilmenauer bereits.

Ein Verkäufer zeigt mit dem Organizer zum Beispiel auf einen Herd, und eine kleine eingebaute Kamera filmt das Küchengerät. Eine spezielle Software filtert die äußeren Merkmale des Herdes heraus und sendet die Daten an einen Server. Ein Großrechner vergleicht sie mit den Merkmalen anderer Geräte. "So wird festgestellt, um was für ein Gerät es sich genau handelt", sagt Projekt-Mitarbeiter David Beier. Anschließend schickt der Server Daten über diesen Herd zurück an den Organizer, beispielsweise eine Gebrauchsanweisung.

"Damit könnten Verkäufer in Elektromärkten unterstützt werden", sagt Brüderlin. "Schließlich wird die Auswahl immer größer." In diesem Fall würde auf dem Display des Organizers ein Film gezeigt, wie in dem Herd diagonal ein Brathähnchen gegrillt werden kann. "Auch Autos werden immer ähnlicher. Solche Zusatzdienste werden in den kommenden Jahren ein wichtiger Faktor, um Kunden zu binden und zu gewinnen", sagt Brüderlin und beschreibt Organizer, die dem Autofahrer zeigen, wie die Glühbirne zu wechseln oder der Ölstand zu messen ist. Bis zum nächsten Jahr beschäftigen sich 20 Mitarbeiter an der Universität Ilmenau mit dem Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn und anderen mit dem rund neun Millionen Euro teuren Projekt.

In Deutschland tüfteln nach Angaben des Softwareentwicklers Patrick Dähne aus dem Zentrum für Graphische Datenverarbeitung (ZGDV) in Darmstadt fast alle wichtigen Firmen in Deutschland an solchen Projekten. "Sie wollen den Anschluss nicht verlieren", sagt Dähne. Er sieht die Forschung auf diesem Gebiet trotz großer Fortschritte ganz am Anfang. "Ich kenne erst ein wirklich gebrauchsfähiges Produkt", sagt er.

Die Technik kann auch in der Medizin oder im Tourismus eingesetzt werden. "Ärzte bekämen bei Operation wichtige Arbeitsschritte oder Röntgenbilder gezeigt", sagt Dähne. Bei einem Projekt in Heidelberg werden bei einem Stadtrundgang vor den Augen der Touristen an historischen Plätzen längst verschwundene Gebäude wieder Wirklichkeit. Den größten Anwendungsbereich sieht er im Service- und Wartungsbereich.

Dafür muss nach Meinung der Experten die Technik verbessert werden. Leistungsfähigere Akkus seien ebenso wichtig wie schnellere Software oder höher auflösende Displays. Besonders im Freien seien manche Displays kaum zu erkennen. Viele Anwendungen erfordern zudem völlig neue Bedienkonzepte. Die Systeme kennen keine klassischen Eingabegeräte wie Tastatur oder Maus, sagt Dähne. (Kai Oppel, dpa) / (wst)