Auf dem Telecom-Markt wächst der Wettbewerb
Die Regulierungsbehörde sieht in der "positiven Stimmung durch Innovation und Dienstewachstum" den entscheidenden Vorteil der deutschen TK-Märkte.
Die Jobmaschine Telekommunikation ist ins Stottern geraten. Erstmals seit Liberalisierung des Marktes vor fünf Jahren ist die Beschäftigung in der Wachstumsbranche 2002 gesunken. Dagegen entwickelten sich die Umsatzerlöse, das Verkehrsvolumen sowie das Kundenwachstum im Mobilfunk und im Internet nach wie vor dynamisch, betonte der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Matthias Kurth.
Den Abbau von gut 10.000 Arbeitsplätzen führte der oberste Aufseher über den deutschen Telekom-Markt vor allem auf das Ausscheiden von Unternehmen zurück. So hatte der Mobilfunkanbieter Quam im vergangenen Jahr seine Aktivitäten in Deutschland eingestellt. Die Zahlen seien angesichts der wirtschaftlichen Lage in anderen Branchen keineswegs dramatisch. "Dass es eine Marktbereinigung geben würde, war allen klar", erklärte Kurth.
Nach weiteren Angaben des Regulierungschefs kletterten die Umsätze auf dem gesamten Telekommunikationsmarkt um drei Prozent auf 61 Milliarden Euro. Daran hielt das Festnetz einen Anteil von 36 Prozent und der Mobilfunk von 33 Prozent. Ein anhaltend zweistelliges Wachstum verzeichnete 2002 der beliebte Kurznachrichtendienst SMS. Die Zahl der verschickten Meldungen habe sich auf 23,6 Milliarden fast verdoppelt. Ein ähnliche Erfolgsgeschichte könnte auch der Nachfolger MMS schreiben, mit dem nicht nur Texte, sondern auch Fotos und bewegte Bilder übertragen werden können. Die vier Mobilfunkbetreiber bieten diesen Dienst erst seit wenigen Monaten an.
Trotz zunehmender Sättigungserscheinungen befindet sich die Mobilfunkbranche weiter auf Wachstumskurs: So stieg die Zahl der Kunden um knapp drei Millionen auf 59,2 Millionen. Damit besaßen im vergangenen Jahr im Durchschnitt sieben von zehn Bundesbürgern ein Handy. Die Regulierungsbehörde habe in dem Bereich zusätzlich für mehr Wettbewerb gesorgt, indem die Mitnahme der Rufnummern von einem Anbieter zu einem anderen möglich geworden sei, unterstrich Kurth.
Auch im Ortsnetz gibt es nach seinen Aussagen inzwischen mehr Wettbewerb. So hätten Telekom-Konkurrenten ihren Bestand an Telefonkanälen auf 2,35 Millionen erhöht und einen Marktanteil von 4,4 Prozent erreicht. Auch wenn die Deutsche Telekom diesen Bereich noch dominiere, fielen bei regionaler Betrachtung die Marktanteile sehr unterschiedlich aus: So kämen die Wettbewerber in Hamburg auf 12, in Köln auf 21 und in Oldenburg sogar auf 23 Prozent.
Die von der Konkurrenz betriebenen AnschlĂĽsse basierten Ende 2002 zu 90 Prozent auf Teilnehmeranschlussleitungen (TAL), die von der Telekom bereitgestellt werden. Insgesamt waren Ende 2002 von der Telekom 944.962 TAL vermietet. Bei den Entgelten der einfachen Kupfer-Zweidraht-Anschlussleitung von monatlich 12,48 Euro nimmt Deutschland laut RegTP international einen mittleren Platz ein.
Ende 2002 gab es in Deutschland knapp 3,3 Millionen breitbandige Internet-Zugänge. Davon waren drei Millionen T-DSL-Anschlüsse, 195.000 ADSL/SDSL der Festnetz-Konkurrenz, über 45.000 bidirektionale Kabelanschlüsse, 7000 Powerline- und einige Tausend Internet-Zugänge über Satellit. Damit verfügte die Telekom über einen Anteil an breitbandigen Anschlüssen von rund 93 Prozent gegenüber etwa sechs Prozent der Wettbewerber und 1,5 Prozent der Kabelnetzbetreiber.
Durch die freie Betreiberauswahl im Ortsnetz, die im Mai möglich werden soll, erhofft sich die Regulierungsbehörde weitere Wettbewerbsimpulse und fallende Preise. Im inländischen Fernverkehr verringerten sich die Telefontarife seit Marktöffnung 1998 drastisch: Je nach Tageszeit zahle der Verbraucher heute nur noch rund sieben Prozent des Betrages zu Monopolzeiten. (anw)