NAS-Zwerge im Anmarsch
"Small is beautyfull" lautet das diesjährige Motto der NAS-Hersteller auf der Computex. Fast jeder hat inzwischen Modelle mit 2,5"-Festplatten im Programm. Doch auch sonst gibt es viele spannende Neuheiten.
Ăśber zu wenig neue Produkte kann man sich dieses Jahr auf der Computex wahrlich nicht beschweren. Vor allem der immer noch boomende Markt fĂĽr Speicherboxen mit NetzwerkanschlĂĽssen hat viel Neues zu bieten. NAS-Boxen fĂĽr den Heimeinsatz, aber auch solche fĂĽrs kleine BĂĽro haben Konjunktur. So wundert es kaum, dass immer mehr Hersteller auf diesen Zug aufspringen. Zugegeben, bei den NAS-Newcommern sieht man vor allem Produkte nach dem Motto "me too". Hier versuchen die Anbieter vor allem ĂĽber den Preis an die Kundschaft zu kommen.
Den etablierten Unternehmen ist die wachsende Konkurrenz zwar einerseits ein Dorn im Auge, andererseits spornt der Wettbewerb mit anderen natürlich auch an. Die Ergebnisse dieses Wettstreits lassen sich auf der Computex bewundern: Sowohl Qnap als auch Synology, Thecus und Raidon bieten ein regelrechtes Feuerwerk neuer Produkte an. Daneben verbessern und verfeinern die Unternehmen ihre Firmware immer weiter, was erfreulicherweise auch der Bestandskundschaft zu gute kommt. Neue Funktionen werden in der Regel für die gesamte Produktpalette bereitgestellt – soweit das technisch sinnvoll ist, versteht sich. Hier zahlt sich dann die einheitliche und weitgehend hardware-unabhängige Firmware-Entwicklung unter Linux aus. Das freie Betriebssystem hat sich bei NAS-Systemen inzwischen als Quasi-Standard durchgesetzt – ein klares Plus für den Kunden.
Mit bis zu vier Festplatten bestückbar, und dennoch gerade mal 150 mm × 102 mm × 216 mm groß: Dieses NAS von Qnap arbeitet mit 2,5"-Festplatten. Der Winzling namens SS-439 Pro verwendet ein Controllerboard mit Intels Atom 230Prozessor (1,6 GHz] und 1 GByte DDR-II-SDRAM. Dank der Hot-Swap-Rahmen lassen sich die Laufwerke schnell austauschen. Das Mini-NAS bietet alle Funktionen, die man auch von den großen Qnap-Modellen gewohnt ist, arbeitet aber dank der 2,5"-HD-Bestückung deutlich sparsamer und leiser als diese.
Kleiner, sparsamer und leiser – das sind die Hauptargumente für den Einsatz eines NAS mit 2,5"-Festplatten. Höhere Kapazitäten zu deutlich geringeren Preisen gibt es nach wie vor bei Systemen, die mit 3,5"-Platten arbeiten. So schnuckelig die "Kleinen" auch sein mögen, als Käufer muss man sich vor dem Kauf über die in absehbarer Zeit benötigte Kapazität im Klaren sein. Wer wirklich viel Netzwerkspeicher benötigt, greift bei knappem Budget eher zu einem NAS mit klassischem Laufwerksformat. Wenn Geld keine Rolle spielt, kann man freilich auch ein Auge auf das Qnap-Modell SS-839 Pro werfen. Es bietet Platz für stattliche acht 2,5"-Laufwerke und ist immer noch ein recht kleines Gerät (177 mm × 180 mm × 235 mm). Intern verwendet es dieselbe Hardware-Basis wie der SS-439 Pro, Qnap spendierte diesem großen Modell aber 2 GByte Speicher und in Gehäuse fand auch noch ein Statusdisplay Platz.
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Qnap SS-839 Pro
Bei den etablierten 3,5"-NAS-Systemen halten sich die Neuheiten bei Qnap in Grenzen. Erwähnenswert erscheint hier vor allem die neue P-Version des TS-219. Der Hersteller hat jetzt zwei extern zugängliche Hotswap-Rahmen für die beiden 3,5"-Plattenschächte vorgesehen, was den Laufwerkstausch erheblich vereinfacht. Vor allem Verbesserungen bei der Software gab es beim NMP-1000, einem HD-Video-tauglichen Netzwerk-Multimediaplayer mit integrierter 3,5"-Festplatte. Die kleine Box arbeitet als Media-Server, kann aber auch als Streaming-Client genutzt werden. Die Bedienung erfolgt via Fernbedienung und ist dank der neuen Software deutlich intuitiver als bei dem auf der CeBIT gezeigten Versionsstand. Bleibt noch der TS-809U-PR zu erwähnen: Das mit acht 3,5"-Laufwerken bestückbare Rack ist nun iSCSI-tauglich und lässt sich so leichter in größere Speicherverbände integrieren. Auch hier hat Qnap fleißig an der Software gefeilt, was vor allem das Management des TS-809U-PR leichter vonstatten gehen lässt.
Auch Synology zeigt auf der Computex eine neue Firmware-Version für seine NAS-Systeme. Die Version 2.2 des "Synology Disk Station Managers" soll vor allem Einsteigern die Konfiguration des NAS erleichtern. Hinzu kommen zwei interessante Features für Apple-Fans: Zum einen lässt sich ein Synology-NAS mit der neuen Version jetzt auch mit Apples Backup "Time Machine" nutzen, zum Anderen hat man als iPhone-User nun direkten Zugriff auf sein Synology-NAS – immer vorausgesetzt, ein WLAN ist in der Nähe. Das iPhone kann auf die auf dem NAS gespeicherten Daten wie etwa Fotos und Musik zugreifen. So hat man unterwegs immer Zugriff auf die daheim oder im Office gespeicherten Daten. Die Beta-Version des neuen Disk Managers soll ab Anfang Juli auf der Synology-Webseite zum Download bereit stehen, die Finale Version wird für September 2009 erwartet.
Natürlich zeigt auch Synology ein NAS mit 2,5"-Laufwerken. Es heißt DS409slim und war bereits auf der CeBIT als Prototyp zu sehen. Die nun kurz vor der Markteinführung stehende Computex-Variante hat einen neuen Fuß bekommen, der die Luftzufuhr zum System verbessern soll. Technisch entspricht das neue Gerät dem bereits seit längerem im Handel erhältlichen Modell DS409+. Wie dieses unterstützt die Slim-Version vier Laufwerke – nun freilich im 2,5"-Format.
Zuwachs gab es auch bei den 3,5"-Geräten: Mas Modell DS509+ (5 HDDs) erhält nun eine via eSATA angeschlossene Tochterbox namens DX5, in der weitere vier Festplatten Platz finden. Was bei den Standalone-Geräten klappt, ist natürlich auch beim Rackmount-Modell RS409+(4 HDDs) möglich. Der Tochtereinschub heißt hier RX4 und ermöglicht den Ausbau des NAS auf insgesamt acht Laufwerke.
Thecus setzt beim 2,5"-NAS auf den Schnuckelfaktor und präsentiert ein 2-Laufwerke-NAS mit einer Größe von nur 88 mm × 63 mm × 133 mm. Das N0204 getaufte Pocket-Nas kann man wirklich überall in der Wohnung verstecken. Trotz seiner geringen Abmessungen bietet es alle Funktionen, die man von einem NAS mit zwei Platten erwarten darf.
Wer es lieber etwas handfester mag, sollte einen Blick auf das Modell N0503 werfen. Die Box ist zwar kein Winzling, könnte aber die Lösung für Unentschlossene sein, erlaubt sie doch wahlweise den Einbau von drei 3,5"-Laufwerken oder eben auch bis zu Fünf 2,5"-Festplatten.
Bei den übrigen Thecus-NAS-Modellen gab es vor allem Detailverbesserungen. So schmückt sich das N5500 (5 HDDs) mit "Dual DOM". Dahinter steckt nichts anderes als bei gängigen Mainboards mit "Dual BIOS": Die Firmware ist noch ein zweites Mal in einem separaten Flash-Speicher untergebracht. So möchte Thecus sicherstellen, dass das N5500 auch nach einem missglückten Firmware-Update noch funktioniert. Das große 7-Disk-NAS N7700 ist nun auch in einer Variante erhältlich, die die sündhaft teuren SAS-Festplatten aufnimmt. Für die Zukunft denkt man bei Thecus auch darüber nach, Highend-NAS-Systeme mit eher im Serverumfeld gebräuchlichen Netzwerkports anzubieten. FibreChannel ist hier eine Option, aber auch das von Intel propagierte 10GBit Ethernet via Kupferkabel ist im Gespräch.
Raidon beschäftigt sich vor allem mit RAID-Boxen, Adaptern und Einschüben. Der Hersteller hält hier diverse 2- und 4-Laufwerkslösungen für 2,5"-SATA-Platten bereit. Daneben offeriert er unter dem Label "Staray" auch noch kleine USB-Boxen (R3E-2S-B2F), die zwei 2,5"-Platten aufnehmen und per Fingerprint-Sensor vor fremdem Zugriff auf die eigenen Daten schützen sollen. (gs)