Mobiltechnik hat in Intels Laboren höchste Priorität
Für das heiß umkämpfte Feld der ultramobilen Computer und Smartphones bastelt Intel in seinen Forschungslaboren unter anderem mit Hochdruck an einem Grafikbeschleuniger für die Atom-Plattform.
Für das heiß umkämpfte Feld der ultramobilen Computer und Smartphones bastelt Intel in seinen Forschungslaboren mit Hochdruck an einem Grafikbeschleuniger für die Atom-Plattform. Was auf der Fachmesse Computex in Taiwan Anfang Juni schon kurz zu sehen war, zeigte Intel Mitte Juni ausführlich auf seinem Research Day, inklusive einiger technischer Daten. Mehr als doppelt so schnell und mit einem Zehntel des Energiebedarfs von marktgängiger Intel-Mobilgrafik bewältigt der Coprozessor grafische Aufgaben mit Hilfe seines SIMD-Befehlssatzes. Im Niedrigspannungsmodus (ultra-low voltage) werde er sogar 80-mal energieeffizienter sein. Mit Platform Power Management, einer Kombination von mehreren Stromspartechniken, soll die Energiebilanz kommender Mobilplattformen drastisch verbessert werden. Moorestown, der Nachfolger der jetzigen Menlow-Mobilproduktserie, werde im Standby-Modus rund 50-mal günstiger abschneiden, versprach Intel-CTO Justin Rattner.
Intel Research Day 2009 (3 Bilder)

MID-Prototyp
Intel ist wild entschlossen, sich mit Wimax eine Pole Position im zunehmend spannender werdenden Rennen um Mobilrechner und mobile Netzplattformen zu sichern. Wimax-Netze, die ganze Stadtteile oder Kleinstädte mit breitbandigem Netzzugang versorgen, sollen Mobilanwender dazu bringen, sich von WLAN-Hotspots und zellulären Mobilfunknetzen unabhängig zu machen. Intel behauptet, VoIP-Verbindungen würden in den anderen Netztechniken zunehmend schlechter funktionieren und die Sprachqualität beeinträchtigen. Die schiere Menge neuer Nutzer mit datenintensiven Anwendungen in Netzen lasse VoIP-Verbindungen degenerieren, nicht zuletzt, da sie den Netzbetreibern steigende Kosten, aber schwindende Umsätze pro Teilnehmer beschere.
Intel-Forscher demonstrierten eine Methode, um Anrufe mit ähnlichen Charakteristiken zu gruppieren, sodass identische Steuerdaten für alle Verbindungen je Gruppe nur einmal übertragen werden müssen. Das System reduziert so laut Intel die erforderliche Bandbreite je Wimax-Basisstation um bis zu 40 Prozent. Das Verfahren ist bereits als Wimax-Standard vorgeschlagen und wird möglicherweise mit der nächsten Version des 802.16m-Protokolls integriert. Ein zweite Neuentwicklung weitet die Netzkapazität der einzelnen Client-Geräte aus. Die Technik gleicht Unterschiede zwischen Netzbereichen mit unterschiedlicher Signalstärke aus. So können Netzkapazitäten beispielsweise von batteriebetriebenen Mobilgeräten auf stationäre PCs verlagert werden. Das Verfahren funktioniert allerdings nur, wenn nicht zu viel Endgeräte gleichzeitig in Bewegung sind, schränkten die Intel-Forscher ein.
WLAN-Controller in PCs sollen künftig neben der herkömmlichen Verbindung ins Internet eine zweite, virtuelle Netzverbindung namens Mywifi Technology (MWT) bereithalten. Beide residieren in separaten Netzwerk-Stacks. Über diesen Kurzstreckenfunk nehmen Geräte innerhalb einer beschränkten Arbeitsumgebung spontan – ohne explizite Anmeldung durch den Benutzer beim Netzwerk – miteinander Verbindung auf, beispielsweise in Büros oder Hörsälen. So können Drucker, Monitore und Projektoren oder Kameras schnell und ad hoc genutzt werden. MWT soll in Intels Chipsätze für die kommende Mobilplattform Calpella integriert werden, allerdings anfangs wohl nur für Windows-7-Rechner. Treiber für andere Betriebssysteme sollen aber später online verfügbar sein.
Im Rahmen ihrer Initiative "Carry Small, Live Large" (CSLL) tüftelt Intels China-Forschungszentrum speziell an Lösungen für Schulen und den Classroom PC. Gerade in Unterrichtssituationen seien Unterbrechungen und Medienbrüche beim Wechsel von Klassenzimmern und beim Datentransfer zwischen Geräten besonders störend. Mit dem nahtlosen Transport von Texten, Bildern und animierten Grafiken zwischen Classroom PC und Großbildschirm über ein lokales Netz demonstrierten die Forscher ihre Wunschvorstellung, die sie "Dynamic Composable Computing" getauft haben. Portable Rechner verbinden sich sekundenschnell und dynamisch innerhalb eines lokalen Funknetzes mit den dort vorhandenen Mäusen, Displays, Tastaturen und Audiosystemen. Dieselbe Funktionalität sollen künftig auch Geräte der MID-Kategorie erhalten, die dann automatisch, ohne weitere Konfiguration Ressourcen des heimischen TV oder Wohnzimmer-PC in Anspruch nehmen.
Mit Clone-Cloud präsentierten Forscher aus den chinesischen Intel-Labs eine Server-Anwendung, die Smartphones von rechenintensiven Aufgaben entlasten soll. Das Konzept unterscheidet sich von bisherigen Remote-Lösungen zur Lastverteilung zwischen Client und Host: Ein Protokoll, das auf Handy und einem Host-Rechner läuft, emuliert eine komplette Kopie des Smartphones auf dem Remote-Rechner. Prozessorintensive Applikationen kann das Gerät nun zur Laufzeit komplett auf Hardware im Netz verlagern. Zu den Anwendungsfällen gehören Hintergrundprogramme wie Virescanner oder Datenverschlüsselung, die keine Nutzereingaben verlangen und bis zur Vollzugsmeldung komplett ins Netz verlagert werden könnten. Ein zweites Routineszenario ist die Steuerung von Ein- und Ausgaben auf dem Handheld, während große Datenmengen über den entfernten Rechner laufen. Darüber hinaus kann das Smartphone aber nicht nur eine Emulation der eigenen Architektur, sondern real vorhandene, leistungsfähigere Hardware, beispielsweise Multicore-Maschinen mit schnellen I/O-Verbindungen, aus dem Netz abrufen. Die Phone-Cloud-Software skaliert laut Entwickler Byung Gon Chun nahtlos auf unterschiedlichen Plattformen, kann also auch den eigenen Laptop oder stationären PC als Clone-Partner nutzen. Dazu kommt auch die Möglichkeit, mehrere Clones anzulegen und bestimmte Anwendungen zu parallelisieren. Insbesondere große Bilddateien oder medizinische Daten von Mobilgeräten könnten so in Sekundenschnelle ausgewertet werden, erklärte Chun. (Erich Bonnert) / (jk)