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Online-Rollenspiele: "Ocean's 11 trifft Second Life"

Wer sich in Online-Abenteuer mit vielen Mit- und Gegenspielern stürzen möchte, dem stehen nicht nur World of Warcraft und ähnliche Szenarien zur Verfügung. Auf der Games Convention präsentieren Hersteller auch ziemlich ungewöhnliche Konzepte.

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Von
  • Nico Nowarra

Bei Online-Multiplayern denkt man schnell an Fantasy-Szenarien wie bei World of Warcraft. Auf der Games Convention präsentieren Hersteller auch andere – und ziemlich ungewöhnliche – Konzepte. Vor allem Freunde der Fernsehserie Stargate dürften sich in der detailgetreu ausgearbeiteten Welt von Stargate Worlds, das im Laufe des kommenden Jahres erscheinen soll, schnell heimisch fühlen. Neben den Hauptfiguren der Serie wie Colonel O'Neill sind auch einige Welten vertreten, die aus der Serie stammen.

Die Handlung des SF-Onlinerollen-Spiels ist zwischen Staffel 8 und 9 von Stargate SG-1 angesiedelt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf taktisch anspruchsvollen Kämpfen, bei denen der Spieler sich mit Hilfe besonderer Fähigkeiten seiner Spielfigur Vorteile verschaffen kann. Diese Fähigkeiten werden mit wachsender Erfahrung erweitert. Ein Großteil des Spiels soll auch ohne die Unterstützung anderer Spieler zugänglich sein.

Onlinerollenspiele: Pracht, Sport und Zusammenarbeit (10 Bilder)

Onlinerollenspiele: Pracht, Sport und Zusammenarbeit

Das Online-Rollenspiel Stargate Worlds kennt höchst unfriedliche Aliens in allerlei modischen Variationen.

Das mit prächtigen Lichteffekten nicht geizende Spiel beruht auf der Unreal-Engine 3. Auf dieser technischen Plattform haben die Entwickler ungewöhnlicherweise Flash-Knobelspiele integriert. Diese dienen beispielsweise dazu, Türen zu öffnen oder sich Zugriff auf Tresore zu verschaffen. Wer im Spiel in die Rolle eines Wissenschaftlers schlüpft, erwirbt nach und nach Eigenschaften, die ihm das Lösen dieser Rätsel erleichtern. Hängt ein Spieler bei einer Aufgabe fest, kann er Spezialisten innerhalb der Teilnehmergemeinde um Rat fragen. Die Entwickler denken darüber nach, die in Flash verwirklichten eingebetteten Rätselspiele eventuell über mobile Endgeräte wie Handys zugänglich zu machen.

Um Schlösser, Rätsel und Minispiele geht es auch bei Deep Silvers 7Million – aber ganz anders und ohne jedes Science-Fiction-Ambiente. Das Spiel, das sich zur Zeit in der geschlossenen Betaphase befindet, lässt sich in die Schublade "Urban MMO" einordnen. Der Publisher beschreibt die Spielidee als "Ocean's Eleven meets Second Life" und betont, er wolle damit insbesondere weibliches Publikum ansprechen.

Die Spielcharaktere sind frei zu gestalten sollen sich als Edelgauner verdingen. Einbrüche in Juweliergeschäfte und das Öffnen versteckter Geldschränke sollen eine wichtige Rolle spielen. Umgesetzt werden diese Aktivitäten wiederum in Form von Minispielen; das scheint bislang übrigens der mit Abstand meistgehörte Begriff auf der diesjährigen Games Convention zu sein.

Mehr ist über 7Million bislang noch nicht zu erfahren; selbst das Bezahlmodell ist noch unklar. Am wahrscheinlichsten dürfte ein monatlich anfallendes Serverentgelt nach dem Muster von World of Warcraft sein. Warum jemand für Minispiele mit diversen Social-Network-Funktionen Abonnent(in) eines kostenpflichtigen Onlinespiels werden sollte, bleibt bislang noch schwer verständlich.

Noch optimistischer in Bezug auf die Zahlungsbereitschaft von Spielern sind die Macher von Empire of Sports, das gegen Ende des Jahres starten soll. Auch sie wollen grundsätzlich monatliche Entgelte. Sie schließen aber auch zusätzliche Einnahmequellen nicht aus. So erwägen sie etwa, dass zum Erreichen höchster Spitzenerfolge im Spiel auch Gegenstände nötig sein können, für die man reales Geld springen lassen muss.

Die Spielidee besteht in einer Verbindung aus Rollen- und Sportspiel. Sie ist ebenso ungewöhnlich wie reizvoll: Als Sportlerin oder Sportler versucht man sich in diversen Disziplinen wie Tennis, Fußball und Ski- oder Bobfahren und nimmt an Wettbewerben teil. Dadurch steigert man eigene Fähigkeiten und sichert sich virtuelle Prämien. Wer will, kann ein eigenes Team gründen, andere Spieler rekrutieren und dann als Manager Meriten und Spielgeld einheimsen. Natürlich braucht der perfekte Sportler auch das perfekte Equipment. Dieses kauft man sich zum Teil mit den erspielten Einnahmen und zum Teil mit realer Währung.

Vor allem mit spektakulärer Grafik, schönen Figuren und traumhaften Umgebungen glänzt Aion – The Tower of Eternity, das als erstes Onlinerollenspiel die Cryengine von Crytek einsetzt. Den Schauplatz der Handlung bildet die Hohlwelt Atreia, eine Inkarnation des Gottes Aion. Sie ist in der Mitte auseinandergebrochen. Auf der oberen Halbkugel, die im ständigen Schatten liegt, leben die Asmodier – ein unheimlich wirkendes Volk mit glühenden Augen und einer kriegerischen Grundhaltung. Die andere Hälfte heißt Elysea und wird von engelsgleichen Wesen bewohnt. Angehörige beider Völker können fliegen, wenn auch nur über kurze Distanzen. Es ist auch möglich, im Flug zu kämpfen. Eine Besonderheit des für 2009 angekündigten Spiels ist ein sehr aufwendiger Avatar-Editor.

Den Sprung zum Onlinespiel vollführt auch die Städtebausimulation CitiesXL, obgleich es zur Zurückhaltung neigenden Baumeistern unbenommen bleibt, das Programm ohne Netzanbindung zu nutzen. Monte Cristo hat als Starttermin das Frühjahr 2009 genannt. Gemeinsam mit anderen Spielern besiedelt man einen Planeten, erschließt sich Rohstoffe und errichtet beispielsweise Ferienressorts. Besondere Bedeutung haben Verkehrswege; sie lassen sich auf sehr vielfältige Weise gestalten.

Was für Fahrzeuge in einzelnen Bereichen herumkurven, hängt stark vom Lebensstandard der Bewohner zusammen – in Arbeitervierteln werden beispielsweise öffentliche Verkehrsmittel stärker vertreten sein als Luxuslimousinen. Die eigenen Errungenschaften kann man gegen virtuelles Geld den Mitspielern zur Verfügung stellen. So verbringen dann die Einwohner der einen Stadt ihre Ferien in der Strand- und Badelandschaft einer fremden, während deren Schöpfer von einem dritten Spieler Öl einkauft, um auch im Winter seine Swimmingpools auf der richtigen Temperatur zu halten. (Nico Nowarra) / (psz)