Netzausbau am Victoriasee soll Menschenleben retten

Rund 5000 Menschen kommen jedes Jahr auf dem größten See Afrikas ums Leben, die meisten bei Fischereiunfällen. Jetzt wurde die GSM-Netzinfrastruktur am Victoriasee deutlich ausgebaut - wovon die Fischer auch wirtschaftlich profitieren.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Der Victoriasee ist fast so groĂź wie ganz Bayern

(Bild: NASA)

Mit einer Fläche von rund 69.000 Quadratkilometern ist der Victoriasee im Osten Afrikas fast so groß wie Bayern. Etwa 200.000 Menschen in Uganda, Tansania und Kenia verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Ausbeuten der vorhandenen Fischressourcen, andere arbeiten für die zahlreichen Reedereien, die Waren oder Passagiere über das zweitgrößte Süßgewässer der Erde transportieren – und 5000 Menschen kommen jedes Jahr auf dem Victoriasee ums Leben, die meisten bei Fischereiunfällen, einige auch bei Angriffen von Piraten.

Um diese erschreckend hohe Opferzahl zumindest teilweise zu reduzieren, haben der Netzwerkausrüster Ericsson, der Mobilfunkkonzern Zain und der GSMA Development Fund bereits im vergangenen Jahr damit begonnen, die GSM-Netzinfrastruktur von Zain in der Region deutlich auszubauen: Es wurden Dutzende zusätzlicher Basisstationen entlang des Sees installiert, die nun Funkverbindungen bis zu 20 Kilometer weit auf den See hinaus ermöglichen. Nach Angaben des GSMA Development Fund sind damit jetzt 90 Prozent der Fischereigebiete abgedeckt.

Der größte See Afrikas aus dem All aufgenommen

(Bild: NASA)

Integriert werden soll in einer zweiten Projektphase zudem das sogenannte Mobile Position System (MPS) von Ericsson, das bei Notrufen eine relativ genaue Positionsbestimmung des sendenden Handys über Triangulation im GSM-Netz erlaubt. "Wird die 110 – die offizielle Notrufnummer am Victoriasee – gewählt, routet unsere CoordCom-Lösung den Anruf direkt zu einer Rettungsleitzentrale, die das Gespräch entgegennimmt, die Position des Anrufenden ermittelt und entsprechende Notfallmaßnahmen einleitet", erklärt Lars Stuber, bei Ericsson für den Subsahara-Raum verantwortlich.

Von dem Netzausbau sollen die Fischer aber auch wirtschaftlich profitieren: Per SMS können sie künftig die Fangquoten von mehr als 1400 Ankaufstationen in den Anrainerstaaten abrufen und das Anlaufen eines bestimmten Hafens von den jeweiligen Tagespreisen abhängig machen. Saad Al Barrak, CEO der Zain-Gruppe, stellt heraus, dass das sogenannte "One-Network-Konzept" seines Unternehmens für eine solche Anwendung prädestiniert sei: "In unserem Netz gibt es keine Roaminggebühren, wenn Kunden Landesgrenzen überqueren." (pmz)