ARD/ZDF: Umfrageergebnisse im Dienste der Mediatheken [Update]
Mit Zahlen aus einer aktuellen Erhebung zur Internet-Entwicklung in Deutschland untermauern ARD und ZDF ihren Anspruch auf ein reichhaltiges Medienangebot im Internet. Doch regelmäßige Nutzer von Mediatheken sind weiterhin eine seltene Spezies.
- Peter-Michael Ziegler
Für die Öffentlich-Rechtlichen ist das Internet ein zweischneidiges Schwert: Links liegen lassen können sie es im Zeitalter der Medienkonvergenz nicht – machen sie zu viel, revoltiert die privatwirtschaftliche Konkurrenz. So wurde im Anfang Juni in Kraft getretenen 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag (PDF-Datei) etwa festgeschrieben, dass alle neuen Internet-Angebote von ARD und ZDF zunächst dahingehend überprüft werden müssen, ob sie vom öffentlich-rechtlichen Informationsauftrag gedeckt sind und ob sie zum publizistischen Wettbewerb beitragen; zudem wird die Finanzierung der Angebote untersucht. Aber auch bereits existierende Angebote sollen diesem Drei-Stufen-Test unterzogen werden, darunter die Mediatheken der Sender, über die Verbraucher bereits gesendete TV-Inhalte abrufen können. Hier wurde im Staatsvertrag festgelegt, dass die meisten Sendungen der Öffentlich-Rechtlichen künftig bereits nach sieben Tagen wieder aus dem Netz verschwunden sein müssen. Für Großereignisse wie Sportveranstaltungen gilt sogar eine Frist von nur 24 Stunden.
Kein Wunder also, dass ARD und ZDF bei der Kommentierung der Ergebnisse ihrer jüngsten Erhebung zur Internet-Entwicklung in Deutschland vor allem das zeitversetzte Anschauen von Fernsehsendungen im Internet in den Mittelpunkt stellen. "Unser Publikum nutzt – häufig Monate später – Audio- und Videobeiträge oder Sendungen, die wir online bereitstellen. Den Erwartungen der Nutzer, jederzeit und überall auf unsere Inhalte zugreifen zu können, kommen wir mit unseren Mediatheken entgegen", erklärt der Intendant des Hessischen Rundfunks und Vorsitzende der ARD/ZDF-Medienkommission, Helmut Reitze. Untermauert wird dieses Statement mit Zahlen aus der ARD/ZDF-Onlinestudie 2009 (PDF-Datei), für die 1806 Erwachsene in Deutschland befragt wurden. 62 Prozent (2008: 55 Prozent) gaben danach an, Videos, "zum Beispiel über Videoportale oder Mediatheken" abzurufen "und live oder zeitversetzt" Fernsehsendungen im Internet anzuschauen.
Konkreter wird da schon ZDF-Intendant Markus Schächter, der berichtet, dass sich "rund ein Fünftel aller Internetnutzer" zeitversetzt Fernsehsendungen in Mediatheken ansehen würde. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen sei es bereits über ein Drittel. [Udate] Die ZDFmediathek sei im ersten Quartal 2009 auf rund 14,5 Millionen "Sichtungen" monatlich gekommen – was etwa 480.000 Videoaufrufen pro Tag entspricht [/Udate]. Folgt man den Angaben in der ARD/ZDF-Onlinestudie, sind regelmäßige Nutzer von Mediatheken allerdings noch eine seltene Spezies, denn nur 7 Prozent der Befragten gaben an, "Video/TV zeitversetzt" mindestens einmal pro Woche zu nutzen. Insgesamt ist der Anteil der Internetnutzer in Deutschland laut Studie auf 67,1 Prozent (2008: 65,8 Prozent) angestiegen. Während das Internet bei den 14- bis 29-Jährigen mit einer Durchdringung von 96,1 Prozent längst zum täglichen Brot gehört, gibt es vor allem bei den Über-50-Jährigen durchaus noch Wachstumspotenziale. Sie kommen laut ARD/ZDF auf knapp über 40 Prozent. (pmz)