Handy-Update aus der Luft
Die kalifornische Firma Bitfone entwickelt eine Software für Handy-Updates über Mobilfunkverbindungen.
Bitfone, ein kalifornisches Unternehmen, das Software für das Management von Mobilgeräten entwickelt, hat auf der 3GSM-World in Cannes ihr mProve-Programm demonstriert. Damit sollen Handy-Hersteller und Netzbetreiber neue Versionen der Betriebssoftware "fehlertolerant über Mobilfunkverbindungen in speziell angepasste Handys einspielen können". Damit, meint Bitfone, würden künftig weniger Handys reklamiert und umgetauscht und auch der Service-Aufwand könne gesenkt werden. Bitfone hat mProve zusammen mit der Chip-Schmiede Texas Instruments entwickelt und anhand von Serie-60-Geräten von Nokia demonstriert.
Prinzipiell besteht das mProve-System aus einer Datenbank, die "irgendwo" im Netzwerk des Betreibers stationiert ist, sowie Programmen, die auf dem jeweiligen Handy die aktuelle Version der Firmware und "bei Bedarf auch anderer "Objekte"" auslesen und in einer kompakten Form verschlüsselt an die Datenbank übermitteln. Das, erklärt Gene Wang, CEO von Bitfone, verhindere, dass Unbefugte die Informationen lesen und garantiere erfolgreiche Übertragungen auch bei schmalbandigen Anbindungen. Wenn Entwickler eine neue Firmware-Version freigeben, können die auch schon einmal MByte-großen Dateien bei Bedarf in jedes einzelne Gerät zum Beispiel über GPRS eingespielt werden. Der Kunde, sagte Wang weiter, profitiere automatisch von Fehlerbereinigungen oder auch neuen Funktionen.
Da aber Mobilfunkverbindungen abreißen können, hat Bitfone Vorkehrungen getroffen, die die Übermittlung und das Einspielen neuer Firmware-Dateien absichern sollen. Wie dies im einzelnen funktioniert, verrät Wang zwar nicht, denn unter anderem gilt es ja "Handy-Firmwares vor Manipulationsversuchen zum Erschleichen kostenloser Telefonate zu schützen". Doch "das Verfahren setzt keine zusätzliche Speicherkapazität voraus", betont Wang. Dennoch bleibe das Handy bei gescheiterten Updates, ob nun wegen Verbindungsabbrüchen oder Ebbe in der Batterie, weiterhin funktionsfähig. Auch zeigt sich das Update-Programm mit nur 30 KByte Größe recht genügsam. Dagegen sichern Hersteller von DSL-Routern oder auch ISDN-Adaptern die Update-Prozedur beispielsweise dadurch ab, dass sie die Firmware-Speicher ihrer Geräte für zwei Versionen auslegen -- bei Problemen wird auf die zuletzt funktionierende Firmware zurückgeschaltet.
Marktbeobachter meinen, dass die Mobilfunkindustrie jährlich weltweit 6 bis 9 Milliarden US-Dollar für die Handy-Nachsorge ausgibt. Angesichts der bisher sehr umständlichen Herangehensweise bei Firmware-Updates überrascht das nicht -- die meisten Handy-Hersteller führen die Updates selbst durch. Oft entstehen schon deshalb hohe Kosten, weil die Geräte per Post zwischen Käufer und Hersteller hin und her gehen. Jeder, der schon einmal eine Grafikkarte, ein Modem oder einen DSL-Router aufgefrischt hat, dürfte über diese umständliche und zeitaufwendige Prozedur die Stirn runzeln. Möglicherweise, um Kosten zu sparen, neigen dann auch manche Handy-Hersteller dazu, Nachrichten über Firmware-Updates, die oft wichtige Fehlerbereinigungen enthalten, zurückzuhalten und die Verbesserungen nur in frisch produzierten Geräten einzuspielen. Letztlich ist daher ein Graumarkt entstanden, den gewitzte Programmierer und geschäftstüchtige Wohnzimmer-Händler mit gebastelten Kabeln, selbstgestrickten Flash-Programmen und natürlich inoffiziellen Firmware-Versionen bedienen. heise mobil hat diesem Thema vor einiger Zeit einen ausführlichen Beitrag am Beispiel von Nokia-Handys gewidmet. (dz)