35.000 Unterschriften gegen Umweltbelastungen durch Mobilfunk

Der Freiburger Appell, der mittlerweile nach Angaben der Initiatoren auch von rund 1000 Ärzten unterzeichnet wurde, stößt allerdings weiterhin auf Kritik in der IT-Branche.

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Rund 35.000 Menschen sollen mittlerweile den Freiburger Appell unterzeichnet haben. 30.000 Unterschriften kamen allein aus Deutschland und darunter wiederum 1000 von Ärzten. Im Oktober waren es kurz nach Beginn der Aktion 100 Ärzte, die den Appell unterzeichnet hatten. Laut der Initiatorin des Projekts, der Interdisziplinären Gesellschaft für Umweltmedizin (IGUMED) hat die Aktion im Ausland erst vor kurzem begonnen, dennoch lägen bereits rund 5000 Unterstützer-Unterschriften von dort vor.

Die Unterzeichner des Freiburger Appells fordern langfristig eine interessenunabhängige Risikoabwägung für den Mobilfunk. Kurzfristig fordern sie eine massive Reduzierung der Grenzwerte, ein Handyverbot für Kinder, einen Stopp des Netzaufbaus, Mitspracherechte für die Bevölkerung, eine industrieunabhängige Forschung, mobilfunkfreie Zonen sowie ein Handy- und DECT-Verbot in öffentlichen Gebäuden, ähnlich wie das weit verbreitete Rauchverbot. Die Unterschriften sollen Ende März der Bundesregierung und später dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission überbracht werden.

Kritik erfährt die Unterschriftenaktion unter anderem vom IT-Branchenverband Bitkom. Er ließ vor kurzem im Rahmen eines Vortragsabends den Umweltmediziner Professor Dr. Thomas Eikmann für sich sprechen. Eikmann meint laut Bitkom, der Appell sei als kontraproduktiver Ansatz einzustufen. Er verstärke die "zu Unrecht bestehende massive Verunsicherung in der Bevölkerung". Nach Zahlen des Deutschen Kinderkrebsregisters habe entgegen den Behauptungen der Autoren des Freiburger Appells kein Anstieg von Erkrankungen bis zum Jahr 2000 festgestellt werden können. Lern- und Konzentrationsstörungen sowie Blutdruckstörungen bei Kindern könnten nicht im Zusammenhang mit dem Mobilfunk gesehen werden. Eikmann weiter: "Es gibt nach allen vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen keine Hinweise darauf, dass elektromagnetische Felder diese angegebenen Symptomatiken oder Erkrankungen hervorrufen".

Der Freiburger Appell wird aber auch von Wissenschaftlern abseits der IT-Industrie skeptisch gesehen. So meint zum Beispiel die Elektrosmogexpertin Kathrin Graulich im Freiburger Öko-Institut, Ursache und Wirkungszusammenhänge seien nicht bewiesen. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM), Professor Claus Piekarski, erklärte, bei den im Freiburger Appell genannten Erkrankungen handele es sich um Zivilisationskrankheiten, für die unterschiedliche Belastungen wie Stress oder Ernährung verantwortlich sein könnten. Allerdings ließen sich bei der heutigen Datenlage Gefahren nicht ausschließen. (anw)