Computex

Der Countdown läuft

Auf der traditionellen "International Press Conference" am Vortag der IT-Messe Computex verbreiteten die Veranstalter Taitra und TCA aufs neue Optimismus.

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Von
  • Georg Schnurer

Krise? Welche Krise? Uns geht es doch verglichen mit anderen IT-Messen prima! Der Optimismus von Walter Yeh, Executive Vice President der Taitra (Taiwan External Trade Development Council), ist beinahe schon legendär. Auch die gekonnten Seitenhiebe auf den Erzrivalen CeBIT gehören schon fast zum Ritual einer Computex-Pressekonferenz: "Die Computex ist inzwischen die wichtigste IT-Messe der Welt," schallte es gleich zu Anfang der Veranstaltung vom Podium. Die Einschränkung auf den B2B-Bereich folgte freilich unmittelbar. Davon, die größte IT-Messe der Welt zu sein, ist die Computex allerdings noch ein gutes Stück entfernt. Noch ist die CeBIT in Zahlen deutlich größer – mehr Aussteller, mehr Besucher und natürlich viel mehr Ausstellungsfläche. Trotzdem, es ist schon beeindruckend, wie die Computex der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise die Stirn bietet. 2009 zählt der Veranstalter 1712 Aussteller, die sich auf 4498 Stände – 3 × 3 Meter große Flächen – verteilen. Erwartet werden insgesamt gut 100.000 Besucher. Besonders stolz sind die Veranstalter Taitra und TCA natürlich auf die gut 35.000 Fachbesucher aus dem Ausland.

Computex 2009: Aufbau (25 Bilder)

Die Schweinegrippe ist auch hier ein Thema: An fast allen Eingängen sind kleine Spender mit Desinfiziermittel für die Hände aufgestellt -- nicht nur auf der Messe, sondern auch in vielen Restaurants, Einkaufszentren und anderen öffentlichen Gebäuden.

Ein stetig wachsender Anteil davon kommt vom großen Nachbarn China. Deutliche Reiseerleichterungen für Geschäftsreisende zwischen den beiden Chinas machen es möglich. Auch die Öffnung der Computex für Aussteller aus Festland-China sorgt für ein – zumindest auf wirtschaftlicher Ebene – immer entspannteres Klima. 2009 gibt es sogar einen eigenen "China Pavilion" mit immerhin 80 Ausstellern. Hinzu kommt noch der Hong Kong Pavilion. Überhaupt gewinnt China für die taiwanische IT-Industrie immer mehr an Bedeutung. War das Festland in der Vergangenheit eher die ausgelagerte Werkbank, so sieht man dort inzwischen auch einen schnell wachsenden Absatzmarkt. Weitere Chancen für Wachstum sehen die Computex-Veranstalter vor allem in den "Emerging markets", also in Ländern wie Brasilien, Indien und in Osteuropa.

Auch die Computex selbst will natürlich weiter wachsen. Deshalb soll neben der Ausstellungshalle in Nangang bis 2013 noch eine weitere, ähnlich große Halle entstehen. Ob der Termin gehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Großbaustellen neigen schließlich nicht nur in Taiwan dazu, jede Termin- und Budget-Planung zu sprengen. Apropos Termine: Die "MRT", Taipehs U- und S-Bahn-System, soll erst im Dezember 2010 endlich auch bis zur Nangang-Halle reichen. Damit müssen die Besucher dann wohl auch zum 30. Jubiläum der Computex im nächsten Jahr mit Shuttlebussen zwischen den beiden Ausstellungsflächen in Nangang und rund um den Wolkenkratzer 101 pendeln – schade eigentlich, denn der notorisch stockende Verkehr auf Taipehs Straßen sorgt immer wieder für längere Transferzeiten. Vielleicht klappts mit der neuen Halle und der MRT dann ja zum 30. Geburtstag der Computex im Jahre 2014. "Computex" heißt die seit 1981 in Taipeh stattfendende IT-Show nämlich erst seit 1984 – ersparen wir uns an dieser Stelle einen weiteren Ausflug in die Tiefen der Geburtstagsarithmetik.

Was passiert also ab morgen auf der über die Stadt verteilten Ausstellung? Als wichtigste Themen nennt Li Chang von der Taipei Computer Association den Bereich der mobilen Computer – und ist damit einer Meinung mit Computex-Sponsor Intel. Vor allem die günstigen Netbooks seien in Zeiten, in denen die Konsumenten den Gürtel enger schnallen, genau das richtige Produkt. Geräte mit größeren Displays und längerer Akkulaufzeit seien hier bei vielen Herstellern zu sehen. Daneben werde die Funktechnik Wimax eine große Rolle auf der Messe spielen. Ein Gang durch die noch vom gehetzten Messebauern wimmelnden Hallen bestätigt diese Einschätzung durchaus.

Doch neben Netbooks und Wimax tut sich auch einiges bei den Komponenten für Notebooks: Vor allem die bislang eher im gebeutelten Speichermarkt tätigen Unternehmen setzen immer mehr auf die Entwicklung von Solid-State Disks – kein Wunder, versprechen diese "Festplatten" auf Flash-Basis doch deutlich bessere Margen als schnöde Speichermodule. Obendrein werden SSDs nun mal gebraucht, wenn man kleine, leichte Net- und Notebooks mit wirklich langer Akkulaufzeit bauen will. Wenn da nur nicht der immer noch horrende Preis pro GByte wäre. Doch neue Marken bereichern den Markt und die wachsende Konkurrenz wird sicher mittelfristig für fallende Preise sorgen.

Ein Thema kam auf der gesamten Pressekonferenz überhaupt nicht vor: Die "Schweinegrippe". Und doch war sie allgegenwärtig. Schon am Halleneingang standen Desinfektionsmittel und Tücher bereit. Besucher wurden aufgefordert, doch vor dem Betreten die Hände zu desinfizieren. In den MRT und auf den Straßen sieht man wieder vermehrt Menschen mit Mundschutz. Ganz so viele wie zu SARS-Zeiten sind es freilich (noch?) nicht, doch bei vielen scheint die Angst vor einer neuen Grippewelle tief zu sitzen. Kaum ist ein leichtes Husten zu vernehmen, schon zucken viele merklich zusammen. Die Reaktion ist verständlich, schließlich hat SARS seinerzeit einige Menschen das Leben gekostet und beträchtlichen wirtschaftlichen Schaden angerichtet.

Ganz so schlimm dürfte es dieses Mal wohl nicht werden. Zum einen ist der neue Erreger wie man hört nicht so aggressiv wie SARS, zum anderen haben die Gesundheitsbehörden ihre Lektion wohl gelernt. Auf den Flughäfen werden alle Passagiere in Augenschein genommen. Am Flughafen in Hongkong, einem der größten asiatischen Drehkreuze für den internationalen Personenverkehr, nimmt man es dieses Mal besonders genau. Wird ein Gast mit Symptomen (Fieber, starker Husten) entdeckt, wandert er zusammen mit den um ihn Herumsitzenden erst einmal in eine eintägige Quarantäne. Erst wenn nähere Untersuchungen für Entwarnung sorgen, darf die Reise fortgesetzt werden. Hätte man hier in SARS-Zeiten ähnlich konsequent gehandelt, wäre der Welt möglicherweise einiges erspart geblieben. (gs)