Nachlese: Aufbauarbeit im Mittelalter und heute
Die am Sonntag beendete Gamescom hat auch im Bereich der wirtschaftsorientierten Strategiespiele interessante Einblicke in demnächst Kommendes gewährt.
Um Standesdünkel, Ämtermissbrauch und glänzendes Gold ging es bei den beiden Teilen des Aufbaustrategiespiels Die Gilde. Jetzt haben sich die Browserspiele-Spezialisten von Gameforge der Sache angenommen und auf der Grundlage der zweiten "Gilde"-Folge ein im Browserfenster ablaufendes Multiplayer-Spiel nach dem "Free to Play"-Konzept gemacht. Der Titel: "Gilde 1400". Gemeinsam mit anderen Spielern kann man mit Firefox, Internet Explorer, Opera, Konqueror, Safari oder einem anderen der gängigen Browser auf verschiedenen Systemplattformen die Welt des Mittelalters erleben.
Als Handwerker oder Dieb bekommt man Gelegenheit, sich durch die verschiedenen Stände hochzuarbeiten und dabei immer verantwortungsvollere Ämter zu übernehmen. Wie beim Offline-Vorbild dienen diese Ämter nicht nur dazu, Ruhm und Ehre anzuhäufen, sondern sie erweisen sich vor allem dann als nützlich, wenn es darum geht, lästigen Konkurrenten das Leben schwer zu machen. So ist es dem Inquisitor etwa möglich, andere Spieler einkerkern zu lassen und ihnen den weiteren gesellschaftlichen Aufstieg zu versperren. Die Möglichkeiten der Diplomatie, aber auch Intrigen machen einen großen Teil des Reizes aus, den das Spiel ausübt. Wer "Die Gilde 2" gespielt hat, wird sich schnell zurechtfinden. Alle Schauplätze entstammen dem Vorbild und sind fürs Browserspiel nur ein wenig aufpoliert worden.
Das vom Grundsatz her kostenlose Spiel bietet wie andere "Free to Play"-Projekte Premium-Optionen an, die gegen reale Währung das Leben im virtuellen Mittelalter erleichtern. So lässt sich beispielsweise der Transport eigener Waren zum Marktplatz durch bezahlte Schmuggelkontrakte beschleunigen.
Die Entwicklung des ohne Flash auskommenden Spiels hat die Gameforge-Tochter Ticking Bomb Games übernommen. Dort arbeitet unter anderem Tobias Severin, einer der Schöpfer der ursprünglichen "Gilde"-PC-Version.
Nicht nur im Browserfenster lassen sich ehrgeizige Pläne verwirklichen und Bauvorhaben realisieren. Um Prestige geht es vielmehr auch bei der Mehrspielerversion des Client-orientierten Cities XL von Monte Cristo Games, das bereits Anfang September 2009 erscheinen soll und als Weiterentwicklung des Konzepts von Städtebausimulationen wie "Sim City" gilt.
Die Teilnehmer am Online-Mehrspielermodus teilen sich eine Welt, in der jeder bis zu fünf Städte errichten darf. Je nach landschaftlichen Gegebenheiten muss man unterschiedliche Wege gehen, um aus einem anfänglichen Dorf eine reiche Metropole zu machen. Wer kostengünstig Strom erzeugt, kann diesen an andere Städte weiterverkaufen und so zu Geld kommen. Küstenregionen lassen sich zu traumhaften Strandurlaubsorten ausbauen. Wessen Ort in den Bergen liegt, der sollte über Skipisten nachdenken. Für echte Wettkampfstimmung dürften allerdings auch große Ereignisse sorgen, die in der Online-Welt analog zu realen Events stattfinden sollen: So können sich Spielerstädte als Austragungsorte für olympische Spiele oder Weltmeisterschaften bewerben. Wenn man den Zuschlag erhält, winken nicht nur zusätzliche Einnahmen, sondern vor allem lässt sich Prestige dabei gewinnen. Der Mehrspielerspaß hat allerdings seinen Preis. Rund fünf Euro pro Monat sollen für die Teilnahme fällig werden. Wer sich die sparen möchte kann Cities XL allerdings auch allein und offline spielen. Diese Kombination aus klassischem Kaufspiel (ab ca. 40 Euro) und kostenpflichtiger Online-Bonusoption stellt ein Novum dar, dessen Chancen und Risiken bereits in Köln sehr kontrovers diskutiert wurden. (Nico Nowarra) / (psz)